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Lciokoon.
lerin hält, daß ich, sage ich, diese Stelle natürlicher finde,wenn ich ans den Kunstwerken der Alten ersehe, daß sie wirk-lich die sanften Lüste pcrsonisirct, nnd eine Art weiblicher Syl-phen, unter dem Namen ^ur-v, verehret haben.Ich gebe eszu, daß wenn Zuvcnal einen vornehmen Taugenichts mit einerHcrmessälilc vergleicht, man das Aehnliche in dieser Ncrglci-
Vermulhungcn darüber auskramen wollte. Dergleichen könnte, z. E. diesescvn, daß puiuienli« in seiner figürliche» Bedeutung gcnoinnicn werden müße,nach welcher es so viel als ungewiß, mientschlosicn, unentschieden, heißet.N»r» pvittiens wäre alsdcnn so viel als »i-rr-s ineertu» oder »i!trs communw.«ii commuiie« ku»l, sagt Scrvius, (»a V. ItS. lib. XII. ^.oneiä.) Uilrs,v«-IIo»Ä, Viclvris, riuia Iii in bvllu utri<iue xsrli f-tv«re notlunt. Ilnd dieganze Zeile,
?ei»le»lis<lus I-ei (oksigiem) perUuro ofliiiuleret Iwsli,würde diesen Sinn haben, daß der alte römische Soldat das Bildniß des ge-meinschaftlichen Gottes seinem demohngeachtet bald unterliegenden Feinde unterdie Augen zu tragen gewohnt gewesen sey. Ein sehr feiner Zug, der dieSiege der alten Römer mehr zur Wirkung ihrer eignen Tapferkeit, als zurFrucht des parlhcvischen Beystandes ihres Stammvaters macht. Dem ohn-geachtct: »on luiuel.
-/) „Ehe ich, sagt Svcncc (r-vi^iuvtls Hiaioßu-- xm. v. 208.) mit„diesen .^ur-v, Lnftnvmpben bekannt ward, wußte ich mich in die Geschichte„ von Ccphalus und Procris, beym Ovid, gar nicht zu finden. Ich konnte auf„keine Weise begreifen, wie Ccphalus durch seine Ausruffung, ^ur» vo»!-,»,„sie mochte auch in einem noch so zärtlichen schmachtenden Tone erschollen sehn,„jemanden auf den Argwohn bringen können, daß er seiner Procris umreu„sey. Da ich gewohnt war, unter dem Worte ^.ura, nichts als die Luft„überhaupt, oder einen sanften Wind insbcsondcrc, zu verstehen, so kam mir„die Eifersucht der Procris noch weit ungegründctcr vor, als auch die aller„ausschweifendste gemeiniglich zu seyn pflegt. Als ich aber einmal gefunden„halte, daß ^ur» eben sowohl ein schönes junges Mädchen, als die Luft be-deuten könnte, so bekam die Sache ein ganz andres Ansehen, und die Ge-schichte dünkte mich eine ziemlich vernünftige Wendung zu bekommen." Ichwill den Bcvfall, den ich dieser Entdeckung, mit der sich Epenec so sehrschmeichelt, in dem Texte ertheile, in der Note nicht wieder zurücknehmen.Ich kann aber doch nicht unangcmcrkl lasse», daß auch ohne sie die Stelledes Dichters ganz natürlich und begreiflich ist. Man darf nehmlich »ur wis-se», daß .Vui'-t bey den Alten ein ganz gewöhnlicher Name für Frauenzimmerwar. So heißt z. E. beym Nonnus (Uionv». lid. xi.vm.) die Nhmphcaus dem Gefolge der Diana, die, weil sie sich einer mämilichcr» Schönheitrühmte, als selbst der Göttin ihre war, zur Strafe für ihre Bcrmcßcnhcit,schlafend den Umarmungen des Bacchus Preis gegeben ward.