lieber die Grenzen der Mahlerey und Poesie.
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chung schwerlich finden dürfte, ohne eine solche Säule zu sehen,ohne zu wissen, daß es ein schlechter Pfeiler ist, der blos dasHaupt, höchstens mit dem Rumpfe, des Gottes trägt, undweil wir weder Hände noch Füße daran erblicken, den Begriffder Unthätigkcit erwecket. <- — Erläuterungen von dieser Art sindnicht zu verachten, wenn sie auch schon weder allezeit nothwen-
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IM iiiiilmoreum csput ekl, tu» vivit unitgo.Wenn Spcncc die griechischen Schriftsteller mit in seinen Plan gezogen ge-habt hätte, so würde ihm vielleicht, vielleicht aber auch nicht, eine alte Acso-pischc Fabel beygcfallcn seyn, die aus der Bildung einer solchen Hcrmrssäulcein noch weit schöneres, und zu ihrem Verständnisse weit unentbebrlichcrcsLicht erhält, als diese Stelle des Juvcnals. „Merkur, erzcblct Arsopus,„wollte gern erfahren, in welchem Ansehen er bey den Menschen stünde. Er„verbarg seine Gottheit, und kam zu einem Bildhauer. Hier erblickte er die„Statue des Jupiters, und fragte den Künstler, wie theuer er sie Halle?„Eine Drachme: war die Antwort. Merkur lächelte: und diese Juno? fragte„er weiter. Ohngcfchr eben so viel. Indem ward er sein eigenes Bild gc-„wahr, und dachte bey sich selbst- ich bin der Böthe der Götter; von mir„kömmt aller Gewinn; mich müßen die Menschen nothwendig weit höher„schätzen. Aber hier dieser Gott? (Er wies auf sei» Bild.) Wie theuer„möchte wohl der seyn? Dieser? antworlclc der Künstler. O, wenn ihr mir„jene beyde abkauft, so sollt ihr diesen oben drein haben." Merkur war ab-geführt. Allein der Bildhauer kannte ihn nicht, und konnte also auch nichtdie Absicht babcn, seine Eigenliebe zu kränken, sondern es mußte in der Be-schaffenheit der Statuen selbst gegründet seyn, warum er die letztere so gering-schätzig hielt, daß er sie zur Zugabc bestimmte. Die geringere Wurde desGottes, welchen sie vorstellte, konnte dabey nichts thun, den» der Künstlerschätzet seine Werke nach der Gcschicklichkcit, dem Fleiße und der Arbeit,welche sie erfordern, und nicht nach dem Range und dem Wcrlhc der We-sen, welche sie ausdrücken. Die Statue des Merkurs mußte weniger Gcschick-lichkcit, weniger Fleiß und Arbeit verlangen, wenn sie weniger kosten sollte,als eine Staluc des Jupiters oder der Juno. Und so war es hier wirklich.Die Statuen des Jupiters und der Juno zeigten die völlige Person dieserGötter; die Statue des Merkurs hingegen war ein schlechter vicrcckigtcr Pfei-ler, mit dem bloßen Brustbilde desselben. Was Wunder also, daß sie obendrein gehen konnte? Merkur übersähe diesen Umstand, weil er sein vcrnieint-liches überwiegendes Verdienst nur allein vor Augen hatte, und so war seineDemüthigung eben so natürlich, als verdient. Man wird sich vergebens bey