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Laokoou.
dig, »och allezeit hinlänglich seyn sollten. Der Dichter hattedas Kunstwerk als ein für sich bestehendes Ding, und nicht alsNachahmung, vor Augen; oder Künstler und Dichter hatten ei-nerley angenommene Begriffe, dem zu Folge sich auch Ueberein-stimmung in ihren Vorstellungen zeigen mußte, auS welcher sichauf die Allgemeinheit jener Begriffe zurückschlicßcn läßt.
Allein wenn Tibull die Gestalt des Apollo mahlet, wie erihm im Traume erschienen: — Der schönste Jüngling, dieSchläfe mit dem keuschen Lorbeer umwunden; syrische Gerücheduften aus dem güldenen Haare, das um den langen Nackenschwimmet; glänzendes Weiß und Purpurröthe mischen sich aufdem ganzen Körper, wie auf der zarten Wange der Braut, dieitzt ihrem Geliebten zugcführet wird: — warum müßen dieseZüge von alten berühmten Gemählden erborgt seyn? Echionsnova inipta veroeuuclia iwwdilis mag in Rom gewesen seyn,mag tausend und tausendmal seyn copirct worden, war darumdie bräutliche Schaam selbst aus der Welt verschwunden? Seitsie der Mahler gesehen hatte, war sie für keinen Dichter mehrzu sehen, als in der Nachahmung des Mahlers?/ Oder wennein anderer Dichter den Vulkan ermüdet, und sein vor derEßc erhitztes Gesicht roth, brennend nennet: mußte er es erstaus dem Werke eines Mahlers lernen, daß Arbeit ermattetund Hitze röchet? F Oder wenn Lucrcz den Wechsel der Jahres-zeiten beschreibet, und sie, mit dem ganzen Gefolge ihrer Wir-kungen in der Lust und auf der Erde, in ihrer natürlichen Ord-
den Auslegern und Uebersetzern lind Nachahmern der Fabeln des Acsopus nachder geringsten Spur von dieser Erklärung umscl'cn: wohl aber konnte ich ih-rer eine ganze Reihe anführen, wenn es sich der Mühe lohnte, die das Mälir-chen gerade zu verstanden, das ist, ganz und gar nicht verstanden liabcn.Sie haben die Ungereimtheit, welche darin» liegt, wenn man die Statuenalle für Werke von einerlei' Ausführung annimmt, entweder nicht gefühlt,oder wohl noch gar übertrieben. Was sonst in dieser Fabel anstößig sey»konnte, wäre vielleicht der Preis, welchen der Künstler seinem Jupiter setzet.Für eine Drachme» kann ja wohl auch kein Topfer eine Puppe machen. EineDrachma muß also hier überhaupt für etwas sehr geringes stehen. (?»>>. ä,e-
svl>, so. Ldit. Il-tUiN, I>. 70,)
/) 'riliullus Lieg. 4. Mi. III. ?olxmeti« vi-,1. Vlll. p. 84.») -ZtiU'iuz M». I. 8>Iv. S. v. 8. I»»I;melis vi-,1. VIII. >>. 8l.