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6 (1839)
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432
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L.icloon.

gen? fragt Spcnce.^ Er antwortet: cs war ein besonderes Vor-recht dieser zwey Göttinnen, wovon man den Gründ vielleichterst in den Samothracischcn Geheimnissen erfuhr; weil aber dieArtisten bey den alten Römern als gemeine Leute betrachtet,lind daher zu diesen Geheimnissen selten zugelaßen wurden, sowußten sie ohne Zweifel nichts davon, und was sie nicht wuß-ten, konnten sie nicht vorstellen? Ich möchte Spcnccn dagegenfragen: arbeiteten diese gemeinen Leute vor ihren Kopf, oder aufBefehl Vornehmerer, die von den Geheimnissen unterrichtet seynkonnten? Stunden die Artisten auch bey den Griechen in dieserVerachtung? Waren die römischen Artisten nicht mehrcnthcilsgcbohrcnc Griechen? Und so weiter.

Statius und Valerius Flaccns schildern eine erzürnte Venus,nnd mit so schrecklichen Zügen, daß man sie in diesem Augen-blicke eher für eine Furie, als für die Göttin der Liebe haltensollte. Spcncc siehet sich in den alten Kunstwerken vergebensnach einer solchen Venus um. Was schließt er daraus? Daßdem Dichter mehr erlaubt ist als dem Bildhauer und Mahler?Das hatte er daraus schließen sollen; aber er hat es einmalfür allemal als einen Grundsatz angenommen, daß in einer poe-tischen Beschreibung nichts gut sey, was unschicklich seyn würde,wenn man cs in einem Gemählde, oder an einer Statue vor-stellte. « Folglich müßen die Dichter gefehlt haben.Statius nnd Valerius sind aus einer Zeit, da die römische Poesie schonin ihrem Verfalle war. Sie zeigen auch hierin ihren verdcrb-tcn Geschmack, und ihre schlechte Bcurtheilungskraft. Bey denDichtern aus einer beßcrn Zeit wird man dergleichen Vcrsto-ßungcn wider den mahlerischen Ausdruck nicht finden."/

So etwas zu sagen, braucht es wahrlich wenig Unterschci-dungskraft. Ich will indeß mich weder des Statius noch desValerius in diesem Fall annehme», sondern nur eine allgemeineAnmerkung machen. Die Götter und geistigen Wesen, wie sie

-/) I'al^mvli» Uilll, Vl, p, 63.

e) pvlz'meli» lii-ilox»,- XX. p> 31 l. Lc.irce iuix lUinz cm, >iv xoockin iwelir«! llLüciipliuii, >vliicll v ouM i>l>>>i.>Ar »IMr«!, ik rei>relv»leck i»il süUiie »r i>i<U»i(.'.

/) p°I>wvti» Ui.il, VII. p. 7t.