Ueber die Grenzen der Mahlerey und Poesie.
461
die Mahlerey nicht angeben: bey ihr ist alles sichtbar; lind aufcincrlcy Art sichtbar.
Wenn also der Graf Caylus die Gemählde der nnsichtbarenHandlungen in linzcrtrciintcr Folge mit den sichtbaren fort-lauffcn läßt; wenn er in den Gemählden der vermischten Hand-lungen, an welchen sichtbare und unsichtbare Wesen Theil neh-men, nicht angicbt, und vielleicht nicht angebe» kann, wie dieletzter», welche mir wir, die wir das Gemählde betrachten, dar-in« entdecken sollte», so anzubringen sind, daß die Personendes Gemähldes sie nicht sehen, wenigstens sie nicht nothwendigsehen zu müssen scheinen können: so muß nothwendig sowohldie ganze Folge, als auch manches einzelne Stück dadurchäusserst verwirrt, unbegreiflich und widersprechend werden.
Doch diesem Fehler wäre, mit dem Buche in der Hand,noch endlich abzuhelfen. DaS schlimmste dabey ist nur dieses,daß durch die mahlerische Aufhebung des Unterschiedes der sicht-baren und unsichtbaren Wesen, zugleich alle die charakteristischenZüge verloren gehen, durch welche sich diese höhere Gattungüber jene geringere erhebet.
Z. E. Wen» endlich die über das Schicksal der Trojanergetheilten Götter unter sich selbst handgemein werden: so gehetbey dem Dichter-- dieser ganze Kampf unsichtbar vor, lind diesellnsichtbarkcit erlaubet der Einbildungskraft die Scene zu erwei-tern, und läßt ihr freyes Spiel, sich die Personen der Götter
fände: (Mwili Ii>>. I. can. 54. p. 38.) In oailem, Islttil» lc. in qua la-Ixlu», L.ili'rus ersl, yuvm lNcüksnt ^»spavoinviiv», liviss Ikiienü. Des-gleichen bcv dem Herrn Winkclmann selbst. (Von der Nachahm. der Gr.W. in der Mahl, und Bildh. S. 56.) Slrabo ist der eigentliche Währ-man» dieses Histörchens mit dem Rebhuhnc, und dieser unterscheidet denZalpsus, und den an eine Säule sich lehnenden Satyr, ans welcher dasRebhuhn saß, ausdrücklich. (l.ib. XIV. p. 7S0 AM. X^i.) Die Stelledes Plinius si>ik. XXXV. lect. s«. n. «99.) habe» Meursius und Nichard-son und Winkclmann deswegen falsch verstanden, weil sie nicht Acht gegeben,daß von zwev verschiedenen Gemählden daselbst die Siede ist: dem einen, des-sentwegen Dcmetrins die Stadt nicht libcrkam, weil er den Ort nicht angreiffcnwollte, wo es stand; und dem andern, welches Prologcncs, während dieserBelagerung mahlte. Jenes war der Zalvsus, und dieses der Satvr.a) Iliack, S. v. 38S.
29*