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mau das Publicum in seinem Gleise, und mache ihm sein Ver-gnügen nicht saurer, als ein Vergnügen zu stehen kommen muß,um das zu sey», was es seyn soll.
Protogcncs hatte die Mutter des Aristoteles gemahlt. Ichweis nicht wie viel ihm der Philosoph dafür bezahlte. Aberentweder anstatt der Bezahlung, oder noch über die Bezahlung,ertheilte er ihm einen Rath, der mehr als die Bezahlung werthwar. Denn ich kann mir nicht einbilden, daß sein Rath einebloße Schmeichele» gewesen sey. Sondern vornehmlich weil erdas Bedürfniß der Kunst erwog, allen verständlich zu seyn,ricth er ihm, die Thaten des Alexanders zu mahlen; Thaten,von welchen damals alle Welt sprach, und von welchen er vor-aus sehen konnte, daß sie auch der Nachwelt unvergeßlich seynwürden. Doch Protogenes war nicht gesetzt genug, diesem Rathezu folgen; imnvtus anim!, sagt Plinius , K yu-vclam aitis liliiclo,^ein gewisser Ucbcrmuth der Kunst, eine gewisse Lüsternheit nachdem Sonderbaren und Unbekannten, trieben ihn zu ganz andernVorwürfen. Er mahlte lieber die Geschichte eines Ialysus,« ei-ner Cydippe und dergleichen, von welchen man itzt auch nichteinmal mehr errathen kann, was sie vorgestellet haben.
Xll.
Homer bearbeitet eine doppelte Gattung von Wesen undHandlungen; sichtbare und unsichtbare. Diesen Unterschied kann
6) I.ib. XXXV. sec«. 3«, I>. 700 kllil. NsrS.
«) Richards»» nennet dieses Werk, wenn er die Regel erläutern will,das, in eine», Gemählde die Aufmerksamkeit des Betrachters durch nichts, esmöge auch noch so vortrefflich seyn, von der Hauptfigur abgezogen werdenmüßc. „Protogcncs," sagt er, „hatte in seinem berühmte» Gemählde Ialy-„sus ein Rebhuhn mit angebracht, und es mit so vieler Kunst ausgemahlet,„daß es zu leben schien, und von ganz Griechenland bewundert ward; weil„es aber aller Augen, zum Nachtheil des Hauptwerks, zu selw an sich zog,„so löschte er es gänzlich wieder aus," (rr-iiiv cle I» peiiiiure r. l. p.46.) Richardson hat sich gcirrct. Dieses Rebhuhn war nicht i» dem Za-lvsus, sonder» in einem andern Gemählde des Protogencs gewesen, welchesder ruhende oder müßige Satvr, ^-ni^o? «v«5«-uo,t^c>?, hieß. Ichwürde diese» Fel'ler, welcher aus ei»er mißverstandenen Stelle des Wniusentsprungen ist, kaum anmerke», wen» ich ihn nicht auch beym Meursius