Ueber die Grenzen der Mahlerey und Poesie.
offener Pattast, willkührliche Gruppen der schönsten und vcvth-rungswürdigstcn Gestalten, den Pocal in der Hand, von Hebe»,der ewigen Zugcnd, bedienet. Welche Architektur, welche Massenvon Licht und Schatten, welche Contrastc, welche Mannigfal-tigkeit des Ausdruckes! Wo fange ich an, wo höre ich auf,mein Auge zu weiden? Wann mich der Mahler so bczaubcrt,wie vielmehr wird es der Dichter thun! Zch schlage ihn auf,und ich finde — mich betrogen. Ich finde vier gute plane Zei-len, die zur Unterschrift eines Gemähldes dienen können, in wel-chen der Stoff zu einem Gemählde liegt, aber die selbst keinGemählde sind.
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Das würde ein Apollonius, oder ein noch mittelmäßigerer Dich-ter, nicht schlechter gesagt haben; und Homer bleibt hier eben soweit unter dem Mahler, als der Mahler dort unter ihm blieb.
, Noch dazu findet Caylus in dem ganzen vierten Buche der Zliassonst kein einziges Gemählde, als nur eben in diesen vier Zeilen.So sehr sich, sagt er, das vierte Buch durch die mannigfaltigenErmunterungen zum Angriffe, durch die Fruchtbarkeit glänzenderund abstechender Charaktere, und durch die Kunst ausnimt, mitwelcher uns der Dichter die Menge, die er in Bewegung setzenwill, zeiget: so ist es doch für die Mahlerey gänzlich unbrauch-bar. Er hätte dazu setzen können: so reich es auch sonst andem ist, was man poetische Gemählde nennet. Denn wahrlich,es kommen derer in dein vierten Buche so häufige und so voll-kommene vor, als nur in irgend einem andern. Wo ist einauSgcführtcrcs, täuschenderes Gemählde als das vom PandaruS ,wie er auf Anreißen der Minerva den Waffcnstillestand bricht,und seinen Pfeil auf den Mcnclaus losdrückt? Als das, vondem Anrücken des griechischen Heeres? Als das, von dem bey-dcrscitigcn Angriffe? Als das, von der That des Ulysses, durchdie er den Tod seines Lcucus rächet?
Was folgt aber hieraus, daß nicht wenige der schönsten Ge-mählde des Homers keine Gemählde für den Artisten geben? daß
!» WW