Ueber die Grenze» der Mahlerey und Poesie.
und ihrer Gruppen allgemein gewesen, wie aus den alten BaS-lcricfS, wo die hintersten allezeit höher stehen als die vodcrstc»,und über sie wegsehen, sich schliesset, läßt: so ist es natürlich,daß man sie auch in der Beschreibung des Homers annimt,und diejenigen von seinen Bildern, die sich nach selbiger in EinGemählde verbinden lassen, nicht unnöthigcr Weise trennet.Die doppelte Scene der friedfertigen Stadt, durch deren Strasse»der fröhliche Aufzug einer Hochzcitfcycr ging, indem auf demMarkte ein wichtiger Proceß entschieden ward, erfordert diesemzu Folge kein doppeltes Gemählde, und Homer hat es gar wohlals ein einziges denken können, indem er sich die ganze Stadtaus einem so hohen Augenpunkte vorstellte, daß er die freyeAussicht zugleich in die Strassen und auf den Markt da-durch erhielt.
Zch bin der Meinung, daß man auf das eigentliche Per-spektivische in den Gemählden nur gelegentlich durch die Sccncn-mahlcrey gekommen ist; und auch als diese schon in ihrer Voll-kommenheit war, muß es noch nicht so leicht gewesen seyn, dieRegeln derselben auf eine einzige Fläche anzuwenden, indemsich noch in den spätern Gemählden unter den Alterthümerndes Hcrculanums so häusfige und mannigfaltige Fehler gegendie Pcrspcctiv finden, als man itzo kaum einem Lehrlinge ver-geben würde. Z-
Doch ich entlasse mich der Mühe, meine zerstreuten Anmer-kungen über einen Punkt zu sammeln, über welchen ich in desHerrn Winkelmanns versprochener Geschichte der Kunst die völ-ligste Befriedigung zu erhalten hoffen darf. 5
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Zch lenke mich vielmehr wieder in meinen Weg, wenn einSpatziergängcr anders einen Weg hat.
Was ich von körperlichen Gegenständen überhaupt gesagthabe, das gilt von körperlichen schönen Gegenständen um soviel mehr.
Körperliche Schönheit entspringt aus der übereinstimmenden
K-) Betracht, über die Mahlerey S. 18Z.K) Geschrieben im Jahr 1763.