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6 (1839)
Entstehung
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488
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Laokoon .

ist den Altcn gänzlich abzusprechen, und was Pope beybringt,um zu beweisen, daß Homer schon einen Begriff davon gehabthabe, beweiset weiter nichts, als daß ihm selbst nur ein sehrunvollständiger Begriff davon bcygcwohnet./Homer , sagt er,kann kein Fremdling in der Pcrspcctiv gewesen seyn, weil erdie Entfernung eines Gegenstandes von dem andern ausdrück-lich angicbt. Er bemerkt, z. E. daß die Kundschafter ein we-nig weiter als die andern Figuren gelegen, und daß die Eiche,unter welcher den Schnittern das Mahl zubereitet worden,bey Seite gestanden. Was er von dem mir Hcerdcn undHütten und Ställen übersatten Thale sagt, ist augenscheinlichdie Beschreibung einer grossen perspektivischen Gegend. Einallgemeiner Beweisgrund dafür kann auch schon aus derMenge der Figuren auf dem Schilde gezogen werden, dienicht alle in ihrer vollen Grösse ausgedruckt werden konnten;woraus es denn gcwisscrmaassen unstreitig, daß die Kunst,sie nach der Pcrspcctiv zu verkleinern, damaliger Zeit schon be-gannt gewesen." Die blosse Beobachtung der optischen Erfah-rung, daß ein Ding in der Ferne kleiner erscheinet, als inder Nähe, macht ein Gemählde noch lange nicht perspektivisch.Die Pcrspcctiv erfordert einen einzigen Augenpunkt, einen be-stimmten natürlichen Gesichtskreis, lind dieses war es was denaltcn Gemählden fehlte. Die Grundfläche in den Gemähldendes Polygnotus war nicht horizontal, sondern nach hinten zuso gewaltig in die Höhe gezogen, daß die Figuren, welche hin-ter einander zu stehen scheinen sollten, über einander zu stehenschienen. Und wenn diese Stellung der vcrschicdncn Figuren

/) Um zu zeig.'», daß dieses nicht zu viel von Popen gesagt ist, willich den Ansang der folgenden ans ihm angeführten Stelle (Müll. V«I. V.Mis, p. 6l) in der Grundsprache anführen: rim« i>e va?» »o Nr-ln^r lo!>o>ii>> I>t'i lp^clivv, ni>i»-!»i!j in luü üxnrc«!)' milrkinx »w üMimeu ok v>>-jvel ki'vm «>>><!>: >><! le»« us »k7l!. Ich sage, hier hat Pope-den Ausdruck»erisl I't'rt'pvetive, die Lnslpcrspccliv, (?Oks>»!ctivv »erivnne) ganz ttnrichtiggebraucht, als welche mit den nach Maajzgcbung der Entfernung vcrmindcr-tcu Grösse» gar nichts zu thun hat, sondern unter der man lediglich dieSchwächung und Abänderung der Farbe» »ach Beschaffenheit der Luft oderdes Medii , durch welches wir sie sehen, verstehet. Wer diesen Fehler machenlonnic, dcm war cS erlaubt, von der ganze» Sache nichts zu wissen.