Ueber die Erenjeu der Mahlerey mid Poesie. 487
er sich genau daran gehalten, Härte er nicht den geringsten Zugcinflicsscn lassen, der in der wirklichen Ausführung nicht damitzu verbinden wäre; mit einem Worte, hätte er so verfahren,wie seine Tadlcr es verlangen: es ist wahr, so würden dieseHerren an ihm nichts auszusetzen, aber in der That auch keinMensch von Geschmack etwas zu bewundern gefunden haben.
Pope ließ sich die Einthcilung und Zeichnung des Boivi»nicht allein gefallen, sondern glaubte noch etwas ganz besonderszu thun, wenn er nunmehr auch zeigte, daß ein jedes dieser sozerstücktcn Gemählde nach den strengsten Regeln der heutiges Ta-ges üblichen Mahlerey angegeben sey. Contrast, Pcrspcctiv,die drey Einheiten; alles fand er darin» auf das beste beobach-tet. Und ob er schon gar wohl wußte, daß zu Folge guterglaubwürdiger Zeugnisse, die Mahlerey zu den Zeiten des Troja-nischen Krieges noch in der Wiege gewesen, so mußte doch ent-weder Homer , vermöge seines göttlichen Genies, sich nicht so-wohl an das, was die Mahlerey damals oder zu seiner Zeitleisten konnte, gehalten, als vielmehr das errathen haben, wassie überhaupt zu leisten im Stande sey; oder auch jene Zeug-nisse selbst mußten so glaubwürdig nicht seyn, daß ihnen dieaugenscheinliche Aussage des künstlichen Schildes nicht vorgezogenzu werden verdiene. Jenes mag annehmen, wer da will; die-ses wenigstens wird sich niemand überreden lassen, der aus derGeschichte der Kunst etwas mehr, als die blossen Data derHistoricnschrcibcr weis. Denn daß die Mahlerey zu HomersZeiten noch in ihrer Kindheit gewesen, glaubt er nicht blosdeswegen, weil es ein Plinius oder so einer sagt, sondern vor-nehmlich weil er aus den Kunstwerken, deren die Alten geden-ken, urtheilet, daß sie viele Jahrhunderte nachher noch nichtviel weiter gekommen, und z. E. die Gemählde eines Polygno-tus noch lange die Probe nicht aushalten, welche Pope dieGemählde des Homerischen Schildes bestehen zu können glaubet.Die zwey grossen Stücke dieses Meisters zu Delphi, von welchenuns Pausanias eine so umständliche Beschreibung hinterlassen,«waren offenbar ohne alle Pcrspcctiv. Dieser Theil der Kunst