Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
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lieber die Grenze» der Mahlerey und Poesie.

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stände werden sodann auch dem Gesichte unerträglich, aberblos durch die Association der Begriffe, indem wir uns desWiderwillens erinnern, den sie dem Geschmacke, dem Gerücheoder dem Gefühle verursachen. Denn eigentlich zu reden, giebtes keine Gegenstände des Eckcls für das Gesicht." Dochmich dünkt, es lassen sich dergleichen allerdings nennen. EinFcncrmahl in dem Gesichte, eine Hasenscharte, eine gcpletschleNase mit vorragenden Löchern, ein gänzlicher Mangel der Au-gcnbrauncn, sind Häßlichkeiten, die weder dem Gerüche, »ochdem Geschmacke, noch dem Gefühle zuwider scmi könne». Gleich-wohl ist es gewiß, daß wir etwas dabey empfinde», welchesdem Eckcl schon viel näher kömmt, als das, was uns andereUnförmlichkcitcn des Körpers, ein krummer Fuß, ei» hoherRücke», empfinde» lasse»; je zärtlicher das Tcmpcramcnt ist,desto mehr werden wir von dc» Vcweg»»gcn in dem Körperdabey fühlen, welche vor dem Erbrechen vorhcrgcbcn. Nurdaß diese Bewegungen sich sehr bald wieder verlieren, undschwerlich ein wirkliches Erbrechen erfolgen kann; wovon manallerdings die Ursache darinn zu suchen hat, daß es Gegen-stände des Gesichts sind, welches i» ih»c», und mit ihnen zu-gleich, eine Menge Realitäten wahrnimt, durch deren angenehmeVorstellungen jene unangenehme so geschwächt und verdunkeltwird, daß sie keinen merklichen Einfluß auf den Körper habenkann. Die dunkeln Sinne hingegen, der Geschmack, der Ge-ruch, das Gefühl, können dergleichen Realitäten, indem sie vonetwas Widerwärtigen gerührct werden, nicht mit bemerken; dasWiderwärtige wirkt folglich allein und in seiner ganzen Stärke,und kann nicht anders als auch in dem Körper von einer weitheftigern Erschütterung begleitet sey».

Ucbrigcns verhält sich auch zur Nachahmung das Eckclhaftcvollkommen so, wie das Häßliche. Za, da seine unangenehmeWirkung die heftigere ist, so kann es noch weniger als dasHäßliche an und vor sich selbst ein Gegenstand weder der Poe-sie, noch der Mahlerey werden. Nur weil es ebenfalls durchden wörtlichen Ausdruck sehr gemildert wird, getrauert ich michdoch wohl zu behaupten, daß der Dichter, wenigstens einigeeckclhaftc Züge, als ein Ingrediens zu den nehmlichen vermisch-