Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
531
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Ueber die Grenzen ccr Mahlerey und Poesie. 63 l

sollte sich nur auf die einzigen Agcsandcr, Polydorus und Athe-nodorus besonnen haben, wenn cr sich nicht ausdrücklich nurauf die neuesten Zeiten hatte einschränken wollen?

Wird übrigens eine Vermuthung um so viel wahrscheinlicher,je mehrere und grössere Unbcgrciflichkcitcn sich daraus erklärenlassen, so ist es die, daß die Meister des Laokoons unter denersten Kayscrn gcblühct haben, gewiß in einem sehr hohe» Grade.Denn hätten sie in Griechenland zu den Zeiten, in welche sieHerr Winkclmann setzet, gearbeitet; hätte der Laokoon selbst inGriechenland ehedem gestanden: so müßte das tiefe Stillschwei-gen, welches die Griechen von einem solchen Werke (oneio vm»i-dus 61 pieturiv A ftatuiu-üv artis jir.-vnoiivixlo) beobachtet hät-ten, äusserst befremden. Es müßte äusserst befremden, wenn sogrosse Meister weiter gar nichts gearbeitet hätten, oder wen»Pausanias von ihren übrigen Werken in ganz Griechenland , ebenso wenig wie von dem Laokoon, zu sehen bekommen hatte. InRom hingegen konnte das größte Meisterstück lange im Verbor-genen bleiben, und wenn Laokoon auch bereits unter dem Au-gustuS wäre verfertiget worden, so dürfte es doch gar nicht son-derbar scheinen, daß erst Plinius seiner gedacht, seiner zuerstund zuletzt gedacht. Denn man erinnere sich nur, was cr voneiner Venus des Scopas sagt, < die zu Rom in einem Tempeldes Mars stand, «niomciiMjuv »lium locuin Iinkilitiltui'ü. I!»M!H?yuiclom iniiFmtmIo njioenm oam oliliterat, ae mgFni nliicioi'untncFotioi'umijiio acei'vl omnos a, eontownl^tiono talinm »Iidiiciint:hnoniam otialorum >^ i» mkignn loe.i silentio ,iz,t<t !><l»> ii.it!» talis ekt.

Diejenigen, welche in der Gruppe Laokoon so gern eineNachahmung des Virgilischcn Laokoons scbcn wollen, werden,was ich bisher gesagt, mit Vergnügen crgreiffen. Noch sielemir eine Muthmaßung bey, die sie gleichfalls nicht sehr miß-billigen dürften. Vielleicht, könnten sie denken, war es Asi-nius Pollio, der den Laokoon des VirgilS durch griechische Künst-ler ausführen ließ. Pollio war ein besonderer freund des Dich-ters, überlebte den Dichter, und scheinet sogar ein eigenes Werküber die Zlcncis geschrieben zu haben. Denn wo sonst, als in

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