2 Hamburgischc Dramaturgie.
Als Schlegel, zur Aufnahme des dänischen Theaters, —(ein deutscher Dichter des dänischen Theaters!) — Vorschlägethat, von welchen es Deutschland noch lange zum Vorwürfegereichen wird, daß ihm keine Gelegenheit gemacht worden, siezur Aufnahme des unsrigcn zu thun: war dieses der erste undvornehmste, „daß man den Schauspielern selbst die Sorge„nicht überlassen müsse, für ihren Verlust und Gewinnst„zn arbeiten." (°) Die Principalschaft unter ihnen hat einefreye Kunst zu einem Handwerke herabgesetzt, welches der Meistermchrcnthcils desto nachläßigcr und eigennütziger treiben läßt,je gewissere Kunden, je mehrere Abnehmer, ihm Nothdlirft oderLurus versprechen.
Wenn hier also bis itzt auch weiter noch nichts geschehenwäre, als daß eine Gesellschaft von Freunden der Bühne Handan das Werk gelegt, und nach einem gemeinnützigen Plane ar-beiten zu lassen, sich verbunden hätte: so wäre dennoch, blosdadurch, schon viel gewonnen. Denn aus dieser ersten Verän-derung könne», auch bey einer nur mäßigen Begünstigung desPublikums, leicht und geschwind alle andere Verbesserungen er-wachsen, deren unser Theater bedarf.
An Fleiß und Kosten wird sicherlich nichts gcsparct werden:ob es an Geschmack und Einsicht fehlen dürfte, muß die Zeitlehre». Und hat es nicht das Publikum in seiner Gewalt, wases hierin» mangelhaft finden sollte, abstelle» und verbessern zulassend Es komme nur, und sehe und höre, und prüfe undrichte. Seine Stimme soll nie geringschätzig verhöret, sein Ur-theil soll nie ohne Unterwerfung vernommen werden!
Nur daß sich nicht jeder kleine Kritikaster für das Publikumhalte, und derjenige, dessen Erwartungen getäuscht werde», auchei» wciiig mit sich selbst zu Rathe gehe, von welcher Art seineErwartungen gewesen. Nicht jeder Liebhaber ist Kenner; nichtjeder, der die Schönheiten Eines Stücks, das richtige SpielEines Actcurs empfindet, kann darum auch den Werth allerandern schätzen. Man hat keine» Geschmack, wenn man nureinen einseitige» Geschmack hat; aber oft ist ma» desto parthcyi-
(°) Werke, dritter Theil, S. 25?.
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