Hamburgischc Dramaturgie.
Bekennen! cr so viel Großes sieht, mehr vermuthe», als glau-ben. Und vielleicht würde Voltaire auch diese Vermuthung un-terdrückt haben, wenn nicht zur Beruhigung des Zuschauers etwashätte geschehen müssen.
Selbst der Polvcukt des Corneille ist, in Absicht auf beideAnmerkungen, tadclhaft; und wenn es seine Nachahmungenimmer mehr geworden sind, so dürfte die erste Tragödie, dieden Namen einer christlichen verdienet, ohne Zweifel noch zuerwarten sey». Zch mcvnc ein Stück, in welchem einzig dcxChrist als Christ uns intcrcssirct. — Ist ein solches Stück aberauch wohl möglich? Ist der Charakter des wahren Christen nichtetwa ganz unthcatralisch? Streiten nicht etwa die stille Gelas-senheit, die unveränderliche Sanstnmth, die seine wesentlichstenZüge sind, mit dem ganzen Geschäfte der Tragödie, welchesLeidenschaften durch Leidenschaften zu reinigen sucht? Wider-spricht nicht etwa seine Erwartung einer belohnenden Glückselig-keit nach diesem Leben, der Uncigcnnützigkcit, mit welcher wiralle große und gute Handlungen auf der Bühne unternommenund vollzogen zu sehen wünschen?
Bis ein Werk des Genies, von dem man nur aus der Er-fahrung lernen kann, wie viel Schwierigkeiten es zu übersteigenvermag, diese Bcdcnklichkcitcn unwidcrsprcchlich widerlegt, wärealso mein Rath: — man liesse alle bisherige christliche Trauer-spiele unaufgcführct. Dieser Rath, welcher aus den Bedürf-nissen der Kunst hergenommen ist, welcher uns um weiter nichts,als sehr mittelmäßige Stücke bringen kann, ist darum nichtsschlechter, weil cr den schwächer» Gemüthern zu Statten kömmt,die, ich weiß nicht welchen Schauder empfinden, wenn sie Ge-sinnungen, auf die sie sich nur an einer heiligern Stätc gefaßtmachen, im Theater zu hören bekommen. Das Theater sollniemanden, wer es auch sey, Anstoß geben; und ich wünschte,daß es auch allem genommenen Anstoße vorbeugen könnteund wollte.
Croncgk hatte sein Stück nur bis gegen das Ende des vier-ten Auszuges gebracht. Das übrige hat eine Feder in Wien dazu gcfüget; eine Feder — denn die Arbeit eines Kopfes istdabey nicht sehr sichtbar. Der Ergänzcr hat, allem Ansehen
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