Erster Nand.
nach, die Geschichte ganz anders geendet, als sie Croncgk zuenden Willens gewesen. Der Tod löset alle Verwirrungen ambesten; darum läßt er beide sterben, den Olint und die Sopbro-nia. Beym Tasso kommen sie beide davon; denn (5lorindcnimmt sich mit der uneigennützigsten Großmuth ihrer an. Cro-ncgk aber hatte Clorindcn verliebt gemacht, und da war esfreylich schwer zu errathen, wie er zwey Nebenbuhlerinnenaus cinandcr setzen wollen, ohne den Tod zu Hülse zu rufen.Zu einem andern noch schlechter» Trauerspiele, wo eine vonden Hauptpersonen ganz aus heiler Haut starb, fragte ein Zu-schauer seinen Nachbar: Aber woran stirbt sie dcnn^— Woran?am fünften Akte; antwortete dieser. Zn Wahrheit; der fünfteAkt ist eine garstige böse Staupe, die manchen hinreißt, demdie ersten vier Akte ein weit längeres Leben versprachen. —
Doch ich will mich in die Kritik des Stückes nicht tiefereinlassen. So mittelmäßig es ist, so ausnehmend ist es vorge-stellet worden. Ich schweige von der äußern Pracht; denn dieseVerbesserung unsers Theaters erfordert nichts als Geld. DieKünste, deren Hülfe dazu nöthig ist, sind bey uns in eben derVollkommenheit, als in jedem andern Lande; nur die Künstlerwollen eben so bezahlt seyn, wie in jedem andern Lande.
Man muß mit der Vorstellung eines Stückes zufrieden seyn,wenn unter vier, fünf Personen, einige vortrefflich, und dieandern gut gcspielct haben. Wen, in den Nebenrollen, einAnfänger oder sonst ein Nothnagcl, so sehr beleidiget, daß erüber das Ganze die Nase rümpft, der reise nach Utopien, undbesuche da die vollkommenen Theater, wo auch der Lichtputzcrein Garrick ist.
Herr Eckhof war Evandcr; Evander ist zwar der VaterdcS Olints, aber im Grunde doch nicht viel mehr als ein Ver-trauter. Indeß mag dieser Mann eine Rolle machen, welcheer will; man erkennet ihn in der kleinsten noch immer für denersten Akteur, und bctaucrt, auch nicht zugleich alle übrige Rol-len von ihm sehen zu können. Ein ihm ganz eigenes Talentist dieses, daß er Sittcnsprüchc und allgemeine Betrachtungen,diese langweiligen Ausbcugungcn eines verlegenen Dichters, miteinem Anstandc, mit einer Innigkeit zu sagen weiß, daß das