Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
13
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Erster Band.

nimmt, ein Mcnsch könne das Böse, um dcS Bösen wegen,wollen, er könne nach lasterhaften Grundsätzen handeln, dasLasterhafte derselben erkennen, und doch gegen sich und anderedamit prahlen. Ein solcher Mensch ist ein Unding, so gräßlichals unlintcrrichtcnd, und nichts als die armselige Zuflucht einesschalen Kopfes, der schimmernde Tiradcn für die höchste Schön-heit des Trauerspieles hält. Wenn Zsmcnor ein grausamerPriester ist, sind darum alle Priester Zsmcnors? Man wendenicht ein, daß von Priestern einer falschen Religion die Redesey. So falsch war noch keine in der Welt, daß ihre Lehrernothwendig Unmenschen seyn müssen. Priester haben in denfalschen Religionen, so wie in der wahren, Unheil gestiftet,aber nicht weil sie Priester, sondern weil sie Böscwichtcr waren,die, zum Behuf ihrer schlimmen Neigungen, die Aorrcchtc aucheines jeden andern Standes gemißbraucht hätten.

Wenn die Bühne so unbesonnene Urtheile über die Priesterüberhaupt ertönen läßt, was Wunder, wenn sich auch unterdiesen Unbesonnene finden, die sie als die grade Heerstraße zurHölle ausschrcycn?

Aber ich verfalle wiederum in die Kritik des Stückes, undich wollte von dem Schauspieler sprechen.

Drittes Stück.Den 8tcn May, 4767.

Und wodurch bewirkt dieser Schauspieler, (Hr. Eckhof) daßwir auch die gemeinste Moral so gern von ihm hören? Wasist es eigentlich, was ein anderer von ihm zu lernen hat, wennwir ihn in solchem Falle eben so unterhaltend finden sollen?

Alle Moral muß aus der Fülle des Herzens kommen, vonder der Mund übergehet; man muß eben so wenig lange dar-auf zu denken, als damit zu prahlen scheinen.

Es verstehet sich also von selbst, daß die moralischen Stel-len vorzüglich wohl gclernct seyn wollen. Sie müssen ohneStocken, ohne den geringsten Anstoß, in einem ununterbroche-nen Flusse der Worte, mit einer Leichtigkeit gesprochen werden,daß sie keine mühsame Auskrahmungcn des Gedächtnisses, son-