Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
60
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Hamburgische Dramaturgie.

warm ehedem so cckcl, daß man ihnen die prosaischen Stückedes Moliere, nach seinem Tode, in Bcrse bringen mußte; undnoch ihr hören sie ein prosaisches Lustspiel als ein Ding an,das ein jeder von ihnen machen könne. Den Engländer hinge-gen wurde eine gereimte Komödie aus dem Theater jagen.Nur die Deutschen sind auch hicrinn, soll ich sagen billiger,oder gleichgültiger? Sie nehmen an, was ihnen der Dichtervorsetzt. Was wäre es auch, wenn sie ißt schon wählen undausmustern wollten?

Die Rolle der stummen Schöne hat ihre Bedenklichkeiten.Eine stumme Schöne, sagt man, ist nicht nothwendig eine dumme,und die Schauspielerinn hat Unrecht, die eine alberne plumpeDirne daraus macht. Aber Schlegels stumme Schönheit ist al-lerdings dumm zugleich; denn daß sie nichts spricht, kömmt da-her, weil sie nichts denkt. Das Feine dabey wurde also diesesseyn, daß man sie überall, wo sie, um artig zu scheinen, den-ken müßte, unartig machte, dabey aber ihr alle die Artigkeitenliesse, die blos mechanisch sind, und die sie, ohne viel zu den-ken, haben könnte. Zhr Gang z. E. ihre Verbeugungen, brau-chen gar nicht bäurisch zu seyn; sie können so gut und zierlichseyn, als sie nur immer ein Tanzmcister lehren kann; dennwarum sollte sie von ihrem Tanzmeister nichts gelernt habe»,da sie sogar Quadrille gelernt hat? Und sie muß Quadrillenicht schlecht spielen; denn sie rechnet fest darauf, dem Papadas Geld abzugewinnen. Auch ihre Kleidung muß weder alt-vätrisch, noch schlumpicht seyn; denn Frau Praatgern sagtausdrücklich:

Bist dn vielleicht nicht wohl gekleidet? Laß doch sehn!

Nun! dreh dich um! das ist ja gut, und sitzt galant.

Was sagt denn der Phantast, dir fehlte der Verstand?Zn dieser Musterung der Fr. Praatgcrn überhaupt, hat derDichter deutlich genug bemerkt, wie er das Aeusserliche seinerstummen Schöne zu seyn wünsche. Gleichfalls schön, nurnicht reißend.

Laß sehn, wie trägst du dich? Tcn Kopf nicht so zurücke!Dummheit ohne Erziehung hält den Kopf mehr vorwärts, alszurück; ihn zurück halten, lehrt der Tanzmeister; man muß also