H.n»burgische Drmiiaturgic.
Aber wenn dem Verfasser die fremden Verkürzungen nicht an-stehe»; so mache er selbst welche, falls es ihm der Mühe werthdünket, und er nicht von denjenigen ist, die Kinder in die Weltsetzen, und auf ewig die Hand von ihnen abziehen.
Madame Hcnscln starb ungcmcin anständig; in der mahle-rischsten Stellung; und besonders hat mich ein Zug ausscrordcnt-lich überrascht. ES ist eine Bemerkung an Sterbenden, daßsie mit den Fingern an ihren Kleidern oder Betten zu rupfenanfangen. Diese Bemerkung machte sie sich auf die glücklichsteArt zu Nutze; in dem Augenblicke, da die Seele von ihr wich,äusserte sich auf einmal, aber nur in den Fingern des erstarr-ten Armes, ein gelinder Spasmus; sie kniff den Rock, der umein weniges erhoben ward und gleich wieder sank: das letzteAufflattern eines verlöschenden Lichts; der jüngste Strahl eineruntergehende» Sonne. — Wer diese Feinheit i» meiner Be-schreibung nicht schön findet, der schiebe die Schuld auf meineBeschreibung: aber er sehe sie einmal!
Vierzehntes Stück.5eii löten Jmmis, 1767.
Das bürgerliche Trauerspiel hat an dem französischen Kunst-richtcr, welcher die Sara seiner Nation bekannt gemacht, (")einen sehr gründlichen Vertheidiger gefunden. Die Fraiizosenbillige» sollst selten etwas, wovon sie kein Muster unter sichselbst haben.
Die Namen von Fürsten und Helden können einem Stücke^omp und Majestät geben; aber zur Rührung tragen sie nichtsbey. Das Unglück derjenigen, deren Umstände den unsrigcn amnächsten kommen, muß natürlicher Weise am tiefsten in unsreSeele dringen; und wenn wir mit Königen Mitleiden haben, sohabe» wir es mit ihnen als mit Menschen, und nicht als mitKönige». Macht ihr Stand schon öfters ihre Unfälle wichtiger,so macht er sie darum nicht interessanter. Immerhin mögenganze Völker darein verwickelt werden; unsere Sympathie crfo-dert eine» einzeln Gegenstand, und ein Staat ist ein viel zuabstrakter Begriff für unsere Empfindungen.
(°) JournnI kli-itiißer, vecembre I76l.