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Hamburgische Dramaturgie.
etwas mehr, lind wir können der griechischen ungleich näherkommen, die durch den bloßen Rhytmus ihrer Vcrsartcn dieLeidenschaften, die darinn ausgedrückt werden, anzudeuten ver-mag. Die französischen Verse haben nichts als den Werth derübcrstandcncn Schwierigkeit für sich; und freylich ist dieses nurein sehr elender Werth.
Die Rolle des Antcnors har Herr Borchers ungcmcin wohlgespielt? mit aller der Besonnenheit und Heiterkeit, die einemBöscwichtc von großem Verstände so natürlich zu seyn scheinen.Kein mißlungener Anschlag wird ihn in Verlegenheit setzen; erist an immer ncucu Ranke» unerschöpflich; er besinnt sich kaum,und der uncrwartcstc Streich, der ihn in seiner Blöße darzu-stellen drohte, empfängt eine Wendung, die ihm die Larve nurnoch fester aufdrückt. Diesen Charakter nicht zu verderben, istvon Seiten des Schauspielers das gctrcucstc Gedächtniß, diefertigste Stimme, die frcycstc, nachläßigstc Aktion, unumgäng-lich nöthig. Hr. Borchers hat überhaupt sehr viele Talente,und schon das muß ein günstiges Vorurthcil für ihn erwecken,daß er sich in alten Rollen eben so gern übet, als in jungen.Dieses zeiget von seiner Liebe zur Kunst; und der Kenner un-terscheidet ihn sogleich von so vielen andern jungen Schauspie-ler», die nur immer auf der Bühne glänzen wollen, und derenkleine Eitelkeit, sich in lauter galanten liebenswürdigen Rollenbegaffen und bewundern zu lassen, ihr vornehmster, auch wohlöfters ihr einziger Berufs zum Theater ist.
Zwanzigstes Stück.Tcii 7ten Julius, 17«i7.
Den drey und zwanzigsten Abend (Freytags, den 22stcuMay,) ward Ccnic aufgeführet.
Dieses vortreffliche Stück der Grafsigny mußte der Gottschc-dinn zum Ilcbcrsctzcn in die Hände fallen. Nach dem Bekennt-nisse, welches sie von sich selbst ablegt, „daß sie die Ehre,welche man durch Ucbcrsctzung, oder auch Verfertigung theatra-lischer Stücke, erwerben könne, allezeit nur für sehr mittelmä-ßig gehalten habe," läßt sich leicht vermuthen, daß sie, diesemittelmäßige Ehre zu erlangen, auch nur sehr mittelmäßige