Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
114
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114 Hamburgische Vramatnrgie.

habcrinn, mit allen kränkenden Empfindungen der verschmähtenLiebe, mit aller Bereitwilligkeit, dem theuern Frevler zu verge-ben, mit aller Beängstigung über seine Hartnäckigkeit, mit al-lem Jammer über seinen Verlust, angemessener wäre? Und ichsage: diese.

!?cnn erstlich wird dadurch die Verdopplung des nehmlichenCharakters vermieden. Esser ist stolz; und wenn Elisabeth auchstolz seyn soll, so muß sie es wenigstens auf eine andere Artseyn. Wenn bey dem Grasen die Zärtlichkeit nicht anders, alsdem Stolze untergeordnet seyn kann, so muß bey der Königinndie Zärtlichkeit den Stolz überwiegen. Wenn der Graf sich einehöhere Mine giebt, als ihm zukömmt; so muß die Königinnetwas weniger zu seyn scheinen, als sie ist. Beide auf Stelzen,mit der Nase nur immer in der Luft cinhertrctcn, beide mitVerachtung auf alles, was um sie ist, hcrabblickcn lassen, würdedie cckclstc Einförmigkeit seyn. Man muß nicht glauben können,daß Elisabeth, wenn sie an des Esser Stelle wäre, eben so,wie Esser, handeln würde. Der Ausgang weiset es, daß sienachgebender ist, als er; sie muß also auch gleich von Anfangenicht so hoch dahcrfahrcn, als er. Wer sich durch äußere Machtempor zu halten vermag, braucht weniger Anstrengung, als deres durch eigene innere Kraft thun muß. Wir wissen darumdoch, daß Elisabeth die Königinn ist, wenn sich gleich Essexdas königlichere Ansehen giebt.

Zwcytcns ist es in dem Trauerspiele schicklicher, daß diePersonen in ihren Gesinnungen steigen, als daß sie fallen. Esist schicklicher, daß ein zärtlicher Eharaktcr Augenblicke des Stol-zes hat, als daß ein stolzer von der Zärtlichkeit sich fortreißenläßt. Jener scheint, sich zu erheben; dieser, zu sinken. Eineernsthafte Königinn, mit gerunzelter Stirne, mit einem Blicke,der alles scheu und zitternd macht, mit einem Tone der Stimme,der allein ihr Gehorsam verschaffen könnte, wenn die zu verlieb-ten Klagen gebracht wird, und nach den kleinen Bedürfnissenihrer Leidenschaft seufzet, ist fast, fast lächerlich. Eine Geliebtehingegen, die ihre Eifersucht erinnert, daß sie Königinn ist,erhebt sich über sich selbst, und ihre Schwachheit wird fürchterlich.