Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
130
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t3(1 Hamburgische Dramaturgie.

Arien untermengten Lustspiele von vier Auszügen, welches, unterdem Titel I^a I^l-o DrFolo, von den italienischen Komödiantenzu Paris , im December 4765 aufgeführet ward. Herr Lö-we» scheinet nicht sowohl dieses Stück, als die Erzchlung desVoltaire selbst, vor Augen gehabt zu haben. Wenn man beyBeurtheilung einer Bildsäule mit auf den Marmorblock zu sehenhat, aus welchem sie gemacht worden; wenn die primitive Formdieses Blockes es zu entschuldigen vermag, daß dieses oder jenesGlied zu kurz, diese oder jene Stellung zu gezwungen gerathen:so ist die Kritik aus einmal abgewiesen, die den Herrn Löwenwegen der Einrichtung seines Stücks in Anspruch nehmen wollte.Mache aus einem Hcxcnmährchcn etwas Wahrscheinlichcrs, werda kann! Herr Löwen selbst giebt sein Räthsel für nichts anders,als für eine kleine Plaisantcric, die aus dem Theater gefallenkann, wenn sie gut gespielt wird. Verwandlung und Tanzund Gesang concurriren zn dieser Absicht; und es wäre bloßerEigensinn, an keinem Belieben zu finden. Die Laune des Pc-drillo ist zwar nicht original, aber doch gut getroffen. Nurdünkt mich, daß ein Waffenträger oder Stallmeister, der dasAbgeschmackte und Wahnsinnige der irrenden Ritterschaft einsieht,sich nicht so recht in eine Fabel passen will, die sich auf dieWirklichkeit der Zaubcrcy gründet, und ritterliche Abcntheucr alsrühmliche Handlungen eines vernünftigen und tapfern Mannesannimmt. Doch, wie gesagt, es ist eine Plaisantcric; undPlaisantcricn muß man nicht zergliedern wollen.

Den fünf und dreyßigstcn Abend (Mittewochs, den listenJulius,) ward, in Gegenwart Sr. Königl. Majestät von Dä-nemark , die Rodogunc des Peter Eorncillc aufgeführt.

Corneille bekannte, daß er sich auf dieses Trauerspiel dasmeiste einbilde, daß er es weit über seinen Cinna und öid setze,daß seine übrige Stücke wenig Vorzüge hätten, die in diesemnicht vereint anzutreffen wären; ein glücklicher Stoff, ganz neueErdichtungen, starke Verse, ein gründliches Raisonnemcnt, heftigeLeidenschaften, ein von Akt zu Akt immer wachsendes Interesse.

Es ist billig, daß wir uns bey dem Meisterstücke dieses gro-ßen Mannes verweilen.