Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
204
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201 Hamburgische Dramaturgie.

daß dicsc Zeit mit der, welche auf die Zwischenakte gerechnetwerden muß, noch lange keinen völligen Umlauf der Sonne er-fodcrt: hat er darum die Einheit der Zeit beobachtet? Die Wortedieser Regel hat er erfüllt, aber nicht ihren Geist. Denn was eran Einem Tage thun läßt, kann zwar an Einem Tage gethanwerden, aber kein vernünftiger Mensch wird es an Einem Tagethnn. Es ist an der physischen Einheit der Zeit nicht genug;es muß auch die moralische dazu kommen, deren Verletzung al-len und jeden empfindlich ist, anstatt daß die Verletzung der er-stem, ob sie gleich meistens eine Unmöglichkeit involvirct, den-noch nicht immer so allgemein anstößig ist, weil dicsc Unmög-lichkeit vielen unbekannt bleiben kann. Wenn z. E. in einemStücke, von einem Orte zum andern gcrcisct wird, und dicscReise allein mehr als einen ganzen Tag crfodert, so ist derFehler nur deucn merklich, welche den Abstand des einen Ortesvon dem andern wissen. Nun aber wissen nicht alle Menschendie geographischen Distanzen; aber alle Menschen können es ansich selbst merken, zu welchen Handlungen man sich Einen Tag,und zu welchen man sich mehrere nehmen sollte. Welcher Dich-ter also die physische Einheit der Zeit nicht anders als durchVerletzung der moralischen zu beobachten verstehet, und sich keinBedenken macht, diese jener aufzuopfern, der verstehet sich sehrschlecht auf seinen Vortheil, und opfert das Wesentlichere demZufälligen auf. Maffci nimmt doch wenigstens noch eineNacht zu Hülfe; und die Vermählung, die Polyphont der Me-ropc heute andeutet, wird erst den Morgen darauf vollzogen.Auch ist es bey ihm nicht der Tag, an welchem Polyphont denThron besteiget; die Bcgcbcnhcitcn prcsscn sich folglich wcnigcr;sie eilen, aber sie übereilen sich nicht. Aoltaircns Polyphontist cin Ephcmcron von einem Könige, der schon darum denzweyten Tag nicht zu regieren verdienet, weil er den ersten seineSache so gar albern und dumm anfängt.

Z. Maffci, sagt Lindcllc, verbinde öfters die Scene» nicht,und das Theater bleibe leer; cin Fchlcr, den man heut zu Tageauch dcn geringsten Poeten nicht verzeihe.Die Verbindungder Scenen, sagt Eoriicille, ist eine große Zierde eines Ge-richts, und nichts kann uns von der Stetigkeit der Handlung