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7 (1839)
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205
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irrster Band.

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besser versichern, als die Stetigkeit der Vorstellung. Sie istaber doch nur eine Zierde, und keine Regel; denn die Altenhaben sich ihr nicht immer unterworfen n. s. w." Wie? istdie Tragödie bey den Franzosen seit ihrem großen Corneille soviel vollkommener geworden, daß das, was dieser blos für einemangelnde Zierde hielt, nunmehr ein unverzeihlicher Fehler ist?Oder haben die Franzosen seit ihm das Wesentliche der Tragö-die noch mehr verkennen gelernt, daß sie auf Dinge einen sogroßen Werth legen, die im Grunde keinen haben? Bis unsdiese Frage entschieden ist, mag Corneille immer wenigstens ebenso glaubwürdig seyn, als Lindcllc; nnd was, nach jenem, alsoeben noch kein ausgemachter Fehler bey dem Maffci ist, maggegen den minder streitigen des Voltaire aufgehen, nach welchemer das Theater öfters länger voll läßt, als es bleiben sollte.Wenn z. E., in dem ersten Akte, Polyphont zu der Königinnkömmt, nnd die Königinn mit der dritten Scene abgeht, mitwas für Recht kann Polyphont in dem Zimmer der Königinnverweilen ? Ist dieses Zimmer der Ort, wo er sich gegen seinenVertrauten so srcy herauslassen sollte? Das Bedürfniß desDichters verräth sich in der vierten Scene gar zu deutlich, inder wir zwar Dinge erfahren, die wir nothwendig wissen müs-sen, nur daß wir sie an einem Orte erfahren, wo wir es »im-mermchr erwartet hätten.

4. Maffci molivirt das Auftreten und Abgehen seiner Per-sonen oft gar nicht: und Voltaire molivirt es eben so oftfalsch; welches wohl noch schlimmer ist. Es ist nicht genug,daß eine Person sagt, warum sie kömmt, man muß auch ausder Verbindung mischen, daß sie darum konmicn müsscn. Esist nicht gcnug, daß sic sagt, warum sie abgeht, man muß auchin dem Folgenden sehen, daß sic wirklich darum abgcgangcnist. Dcnn sonst ist das, was ihr dcr Dichter desfalls in denMund legt, ein bloßer Verwand, und keine Ursache. Wennz. (?. Euriklcs in dcr dritten Scene des zweyten Akjs abgeht,um, wie er sagt, die Freunde der Königinn zu versammeln;so müßte man von dirsen Freunden und von dieser ihrer Ver-sammlung auch hernach etwas hören. Da wir aber nichts da-von zu hören bekommen, so ist sein Vorgeben ein schülerhaftes