232 Hamburgische Dramaturgie.
ich meinen Verdruß anSlasscn wollte? Die Kinder auf der Straaßewurden mit Fingern auf mich weisen. Alle Tage würde ein Epi-gramm, ein Gassenhauer auf mich zum Vorscheine kommen u. s. w.
Diese Situation muß es seyn, in welcher Chcvrier dasAchnlichc mit dem vcrheyrathctcn Philosophen gefunden hat.So wie der Eifersüchtige des Campistron sich schämet, seine Ei-fersucht auszulassen, weil er sich ehedem über diese Schwachheitallzulustig gemacht hat: so schämt sich auch der Philosoph desDcötoucheö, seine Hcyrath bekannt zu machen, weil er ehedemüber alle ernsthafte Liebe gespottet, und den ehrlosen Standfür den einzigen erklärt hatte, der einem freyen und weisenManne anständig sey. Es kann auch nicht fehlen, daß dieseähnliche Schaam sie nicht beide in mancherley ähnliche Verlegen-heiten bringen sollte. So ist, z. E., die, in welcher sich Do-rantc beym Eampistron siehet, wenn er von seiner Frau ver-langt, ihm die übcrla'stigcn Besucher vom Halse zu schaffen, dieseaber ihn bedeutet, daß das eine Sache sey, die er selbst bewerk-stelligen müsse, fast die nehmliche mit der bey dem Dcstouchcs,in welcher sich Anst befindet, wenn er es selbst dem Marauissagen soll, daß er sich auf Melitcn keine Rechnung machenkönne. Auch leidet dort der Eifersüchtige, wenn seine Freundein seiner Gegenwart über die Eifersüchtigen spotten, und erselbst sein Wort dazu geben muß, ungefehr auf gleiche Weise,als hier der Philosoph, wenn er sich muß sagen lassen, daß erohne Zweifel viel zu klug und vorsichtig sey, als daß er sich zu soeiner Thorheit, wie das Heyrathcn, sollte haben verleiten lassen.
Dem ohngcachtct aber sehe ich nicht, warum Dcstouchcsbey scincm Stücke nothwendig das Stück des Campistron vorAugen gehabt haben müßte; und mir ist es ganz begreiflich,daß wir jenes haben könnten, wenn dieses auch nicht vorhan-den wäre. Die verschiedensten Charaktere können in ähnlicheSituationen gerathen; und da in der Komödie die Charakteredas Hauptwerk, die Situationen aber nur die Mittel sind, jenesich äußern zu lassen, und ins Spiel zu setzen: so muß mannicht die Situationen, sondern die Charaktere in Betrachtungziehen, wenn man bestimmen will, ob ein Stück Original oderCopic gcncnnt zu werden verdiene. Umgekehrt ist es in der