Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

23k

Hamburgischc Dramaturgie.

in Bewegung gesetzt; aber das Original zu diesem nachgeahmten Pe-tilmaitre ist gewiß kein Deutscher."

WaS mir, fährt er fort, sonst an diesem Lustspiele mißfällt, istder Charakter des Agenors. Den Triumph der guten Frauen voll-kommen zu machen, zeigt dieser Agenor den Ehemann von einer garzn häßlichen Seite. Er tyrannisiret seine unschuldige Juliane auf dasunwürdigste, und hat recht seine Lust sie zu quälen. Grämlich, so ofter sich sehen läßt, spöttisch bey den Thränen seiner gekränkten Frau,argwöhnisch bei ihren Liebkosungen, boshaft genug, ihre unschuldigstenReden und Handlungen durch eine falsche Wendung zu ihrem Nachtheileauszulegen, eifersüchtig, hart, unempfindlich, und, wie sie sich leicht ein-bilden können, in seiner Frauen Kammermädchen verliebt. Ein solcherMann ist gar zu verderbt, als daß wir ihm eine schleunige Besserungzutraue» könnten. Der Dichter giebt ihm eine Rebenrolle, in welchersich die Falten seines nichtswürdigcn Herzens nicht genug entwickelnkönnen. Er lobt, und weder Juliane noch die Leser wissen recht, waser will. Eben so wenig hat der Dichter Raum gehabt, seine Besse-rung gehörig vorzubereiten und zu veranstalten. Er mußte sich be-gnügcn, dieses gleichsam im Vorbeygehen zu thun, weil die Haupt-haudluug mit Nikaudcr und Philintcn zu schaffen hatte. Kathrine,dieses edelmüthigc Kamuiermädchen der Juliane, das Agenor verfolgthatte, sagt gar recht am Ende des Lustspiels: Die geschwindesten Bekeh-rungen sind nicht allemal die aufrichtigsten! Wenigstens so lange diesesMädchen im Hause ist, möchte ich nicht für die Aufrichtigkeit stehen."

Ich freue mich, daß die beste deutsche Komödie dem rich-tigste» deutschen Beurtheiln- in die Hände gefallen ist. Und dochwar es vielleicht die erste Komödie, die dieser Mann beurtheilte.