Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
319
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Zweyter Land.

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gelesen habe. Er spricht ganz so davon, als von einem altenTraume; es schwebt ihm nur noch so was davon im (Gedächt-nisse; nnd das schreibt er auf gut Glück so hin, unbekümmert,ob es gehauen oder gestochen ist. Ich will ihm nicht aufmutzen,was er von der Pamphila des Stücks sagt,daß sie blos aufdem Theater erscheine, um nieder zu kommen." Sie erftbeinetgar nicht auf dem Theater; sie kömmt nicht auf dem Theaternieder; man vcriiimt blos ihre Stimme aus dem Hause; undwarum sie eigentlich die interessanteste Rolle spielen müßte, daslaßt sich auch gar nicht absehen. Den (Griechen und Römernwar nicht alles interessant, was es den Franzosen ist. Eingutes Mädchen, das mit ihrem Liebhaber zu tief in das Was-ser gegangen, nnd Gefahr läuft, von ihm verlassen zu werden,war zu einer Hauptrolle ehedem sehr ungeschickt.

Der eigentliche und grobe Fehler, den der Herr von Vol-taire macht, bctrift die Entwicklung und den Charakter desDcmca. Dcmca ist der mürriscbc strenge Vater, und dieser sollseinen Charakter auf einmal völlig verändern. Das ist, mit Er-laubniß des Herrn von Voltaire , nicht wahr. Dcmca behauptetseinen Charakter bis ans Ende. Donatus sagt: Servatue suwmper totam taliulam mitis IVIieio, kvvus Oeme», I^ono svsrusu. s. w. Was geht mich Donatus an ? dürfte der Herr vonVoltaire sagen. Nach Belieben; wenn wir Deutsche nur glau-ben dürfen, daß Donatus den Tercnz fleißiger gelesen und bes-ser verstanden, als Voltaire. Doch es ist ja von keinem ver-lohnten Stücke die Rede; es ist noch da; man lese selbst.

Nachdem Micio den Dcmca durch die triftigsten Vorstellun-gen zu besänftigen gesucht, bittet er ihn, wenigstens auf heutesich seines Aergernisses zu einschlagen, wenigstens heute lustig zuseyn. Endlich bringt er ihn auch so weit; heute will Dcmcaalles gut seyn lassen; aber morgen, bey früher Tageszeit, mußder Sohn wieder mit ihm aufs Land; da will er ihn nicht gelin-der halten, da will er es wieder mit ikmi anfangen, wo er es beutegelassen bat! die Sängerinn, die diesem der Vetter gekauft, willer zwar mitnehmen, denn es ist doch immer eine Sklavinn mehr,und eine, die ihm nichts kostet; aber zu singen wird sie nichtviel bekommen, sie soll kochen und backen. In der darauf fol-