Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
349
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Zweyter Band.

einer Handlung überhaupt ist, nickt aber in so fern sie Tragö-die, die Nachahmung einer mitlcidSwürdigcn Handlung insbe-sondere ist. Bessern sollen uns alle Gattungen dcr Poesie: esist kläglich, wenn man dieses erst beweisen muß; noch klägli-cher ist es, wenn es Dicktcr giebt, die selbst daran zweifeln.Aber alle Gattungen können nickt alles bessern; wenigstensnicht jedes so vollkommen, wie das andere; was aber jede amvollkommensten bessern kaun, worinn es ihr keine andere (Gat-tung gleich zu thun vermag, das allein ist ihre eigentliche Be-stimmung.

Acht und siebzigstes Stück.Den 29sien Januar, 1768.

2. Da die Gegner des Aristoteles nicht in Acht nahmen,was für Leidenschaften er eigentlich, durch das Mitleid und dieFurcht dcr Tragödie, in uns gcrcinigct haben wollte: so warcS natürlich, daß sie sich auch mit dcr Reinigung selbst irre»mußten. Aristoteles verspricht am Ende scincr Politik, wo ervon dcr Reinigung der Leidenschaften durch die Musik rcdct,von dieser Reinigung in scincr Dichtkunst wcitläuftigcr zu han-deln.Weil man aber, sagt Corneille,ganz und gar nichtsvon dieser Materie darinn findet, so ist dcr größte Theil sci-ncr Auslcgcr auf die Gcdankcn gerathen, daß sie nicht ganzauf uns gekommen sey." Gar nichts? Zch meines Theilsglaube, auch schon in dem, was uns von sciucr Dichtkunst nochübrig, cs mag viel oder wenig seyn, alles zu finden, was ereinem, der mit seiner Philosophie sonst nicht ganz unbekanntist, über diese Sache zu sagen für nöthig halten konnte. Cor-neille selbst bemerkte eine Stelle, die uns, nach scincr Mcinuug,Licht gcnug gcbcn könne, die Art und Weise zu entdecken, aufwelche die Reinigung dcr Leidenschaften in dcr Tragödie geschehe:nehmlich die, wo Aristoteles sagt,das Mitleid verlange einen,dcr unverdient leide, und die Furcht'einen unsers gleichen."Diese Stelle ist auch wirklich sehr wichtig, nur daß Corneilleeinen falschen Gebrauch davon machte, und nicht wohl audcrsals machen konnte, weil er einmal die Reinigung der Leiden-schaften überhaupt im Kopfe hatte.Das Mitleid mit dem