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7 (1839)
Entstehung
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Hamburgischc Tra»iaturgic.

big fänden. Aber cr ist so ein abscheulicher Kerl, so ein ein-gefleischter Teufel, in dem wir so völlig keinen einzigen ähnlichenZug mit uns selbst finden, daß ich glaube, wir könnten ihnvor unsern Augen den Martern der Hölle übergeben sehen, ohnedas geringste für ihn zu empfinden, ohne im geringsten zu fürch-ten, daß, wenn solche Strafe nur auf solche Verbrechen folge,sie auch unsrer erwarte. Und was ist endlich das Unglück, dieStrafe, die ihn trist? Nach so vielen Missethaten, die wir mitansehen müssen, hören wir, daß cr mit dem Degen in derFaust gestorben. Als der Königinn dieses crzehlt wird, läßtsie der Dichter sagen:

Dieß ist etwas! -

Ich habe mich nie enthalten können, bey mir nachzusprechen:nein, das ist gar nichts! Wie mancher gute König ist so ge-blieben, indem cr seine Krone wider einen mächtigen Rebellenbehaupten wollen? Richard stirbt doch, als ein Mann, aufdem Bette der Ehre. Und so ein Tod sollte mich für den Un-willen schadlos halten, den ich das ganze Stück durch, über denTriumph seiner Bosheiten empfunden? (Zch glaube, die grie-chische Sprache ist die einzige, welche ein eigenes Wort hat,diesen Unwillen über das Glück eines Böscwichts, auszudrücken:I'x.llko-l-;, -I'e^xo-oci'. ) Sein Tod selbst, welcher wenigstensmeine Gcrcchtigkcitslicbc befriedigen sollte, unterhält noch meineNemesis. Du bist wohlfeil weggekommen! denke ich: aber gut,daß es noch eine andere Gerechtigkeit giebt, als die poetische!

Man wird vielleicht sagen: nun wohl! wir wollen den Ri-chard aufgeben; das Stück heißt zwar nach ihm; aber er istdarum nicht der Held desselben, nicht die Person, durch welchedie Absicht der Tragödie erreicht wird; cr hat nur das Mittelseyn sollen, unser Mitleid für andere zu erregen. Die Köni-ginn, Elisabeth, die Prinzen, erregen diese nicht Mitleid?

Um allem Wortstrcitc auszuweichen: ja. Aber was ist esfür cinc fremde, herbe Empfindung, die sich in mein Mitleidfür diese Personen mischt? die da macht, daß ich mir diesesMitleid ersparen zu können wünschte? Das wünsche ich mir

(°) ^ris,. Mlel, lib. II. c->i>. 9.