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7 (1839)
Entstehung
Seite
355
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Zweyter Band.

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bey dem tragischen Mitleid doch sonst nicht; ich verweile gerndabey; und danke dem Dichter für eine so süße Quaal.

Aristoteles hat es wohl gesagt, und das wird es ganz ge-wiß seyn! Er spricht von einem ^c«;.ov, von einem Gräßlichen,das sich bey dem Unglücke ganz guter, ganz unschuldiger Perso-nen finde. Und sind nicht die Königinn, Elisabeth, die Prin-zen, vollkommen solche Personen? Was haben sie gethan? wo-durch haben sie es sich zugezogen, daß sie in den Klauen dieserBestie sind? Zst es ihre Schuld, daß sie ein näheres Rechtauf den Thron haben, als er? Besonders die kleinen wimmern-den Schlachtopfcr, die noch kaum rechts und links unterscheidenkönnen! Wer wird leugnen, daß sie unsern ganzen Jammerverdienen? Aber ist dieser Jammer, der mich mit Schaudernan die Schicksale der Menschen denken läßt, dem Murren wi-der die Vorsehung sich zugesellet, und Verzweiflung von weitennachschleicht, ist dieser Jammer ich will nicht fragen, Mit-leid? Er hcissc, wie er wolle Aber ist er das, was einenachahmende Kunst erwecken sollte?

Man sage nicht: erweckt ihn doch die Geschichte; gründeter sich doch auf etwas, das wirklich geschehen ist. Das wirk-lich geschehen ist? eS sey: so wird es seinen guten Grund indem ewigen unendlichen Zusammenhange aller Dinge haben.Zn diesem ist Weisheit und Güte, was uns in den wenigenGliedern, die der Dichter hcrausnimt, blindes Geschick undGrausamkeit scheinet. Aus diesen wenigen Gliedern sollte erein Ganzes machen, das völlig sich rundet, wo eines aus demandern sich völlig erkläret, wo keine Schwierigkeit aufstößt, de-rcnwegcn wir die Befriedigung nicht in seinem Plane finden,sondern sie außer ihm, in dem allgemeinen Plane der Dinge,suchen müssen; das Ganze dieses sterblichen Schöpfers sollte einSchattenriß von dem Ganzen des ewigen Schöpfers seyn; sollteuns an den Gedanken gewöhnen, wie sich in ihm alles zumBesten auflöse, werde es auch in jenem geschehen: und er ver-gißt diese seine edelste Bestimmung so sehr, daß er die unbe-greiflichen Wege der Vorsicht mit in seinen kleinen Zirkel flicht,nnd gcflisscndlich unsern Schauder darüber erregt? O ver-schonet uns damit, ihr, die ihr unser Herz in eurer Gewalt

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