Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
398
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?S8

Hciml'lirgischc Drnmaturgic.

schichtschrcibcr und Dichter unterscheiden sich nicht durch die gc-bundene oder ungebundene Rede: indem man die Bücher desHcrodotuS in gebundene Rede bringen kann, und sie darumdoch nichts weniger in gebundener Rede eine Geschichte scvnwerden, als sie es in ungebundener waren. Sondern darinnunterscheiden sie sich, daß jener erzählet, was geschehen; dieseraber, von welcher Beschaffenheit das Geschehene gewesen. Da-hcr ist denn auch die Poesie philosophischer und nützlicher als die (beschichte. Denn die Poesie geht mehr auf das Allgemeine, unddie Geschichte auf das Besondere. Das Allgemeine aber ist, wieso oder so ein Mann nach der Wahrscheinlichkeit oder Noth- wcndi-gkcit sprechen und handeln würde; als worauf die Dicht-kunst bey Erthcilung der Namen sieht. Das Besondere hinge-gen ist, was Alcibiadcs gethan, oder gelitten hat. Bey derKomödie min bat sich dieses schon ganz offenbar gezeigt; dennwenn die Fabel nach der Wahrscheinlichkeit abgefaßt ist, legtman die ctwanigcn Namen sonach bey, und macht es nichtwie die Jambischen Dichter, die bey dem Einzeln bleiben.Bey der Tragödie aber hält man sich an die schon vorhandc-ncn Namen; aus Ursache, weil das Mögliche glaubwürdig ist,und wir nicht möglich glauben, was nie geschehen, da hinge-gen was geschehen, offenbar möglich sevn muß, weil es nichtgeschehen wäre, wenn es nicht möglich wäre. Und doch sindauch in dcw Tragödien, in einigen nur ein oder zwey be-kannte Namen, und die übrigen sind erdichtet; in einigen auchgar keiner, so wie in der Blume des Agathon. Denn indiesem Stücke sind Handlungen und Namen gleich erdichtet,und doch gefällt es darum nichts weniger."

Zn dieser Stelle, die ich nach meiner eigenen Ucbcrsetzunganführe, mit welcher ich so genau bey den Worten gebliebenbin, als möglich, sind verschiedene Dinge, welche von den Aus-legern, die ich noch zu Rathe ziehen können, entweder gar nichtoder falsch verstanden worden. Was davon hier zur Sache ge-hört, muß ich mitnehmen.

Das ist unwidcrsprcchlich, daß Aristoteles schlechterdings kei-nen Unterschied zwischen den Personen der Tragödie und Ko-mödie, in Ansehung ihrer Allgemeinheit, macht. Die einen