Zweyter B.nid.
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mödic nennt, keine Schwierigkeit, und der Charakter seinesDorval wäre so tadclhaft nicht. Ist es aber nicht wabr, sofällt auch dieses von selbst weg, nnd dein Charakter des natür-lichen SohncS kann ans einer so ungcgrüiidctcn Cinlbeilungkeine Rechtfertigung zufließen.
Neun und achtzigstes Stuck.Ten 8!cn Merz, 1768.
Zuerst muß ich anmerken, daß Diderot seine Asscrtion ohneallen Beweis gelassen hat. Cr mnß sie für eine Wahrheit an-gesehen haben, die kein Mensch in Zweifel ziehen werde, nochkönne; die man nur denken dürfe, um ihren Grund zugleichmit zu denken. Und sollte er den wohl gar in den wahrenNamen der tragischen Personen gefunden haben? Weil dieseAchilles, und Alcrandcr, und Cato, und Auguslus hcisscn, undAchilles, Alexander, Cato, Auguslus, wirkliche einzelne Perso-nen gewesen sind: sollte er wohl daraus geschlossen haben, daßsonach alles, was der Dichter in der Tragödie sie sprechen undhandeln läßt, auch nur diesen einzeln so genannten Personen,und keinem in der Welt zugleich mit, müsse zukommen können ?Fast scheint es so.
Aber diesen Irrthum hatte Aristoteles schon vor zwey tau-send Jahren widerlegt, nnd auf die ihr entgegen stehendeWahrheit den wesentlichen Unterschied zwischen der Geschichteund Poesie, so wie den größer» Nutzen der letzter» vor dererstem, gegründet. Auch hat er es auf eine so einleuchtendeArt gethan, daß ich nur seine Worte anführen darf, um keinegeringe Verwunderung zu erwecken, wie in einer so offenbarenSache ein Diderot nicht gleicher Meinung mit ihm seyn könne.
„Aus diesen also, sagt Aristoteles , nachdem er die we-sentlichen Eigenschaften der poetischen Fabel festgesetzt, „aus„diesen also erhellet klar, daß des Dichters Werk nicht ist, zu„erzählen, was geschehen, sondern zu erzählen, von welcher Be-schaffenheit das Geschehene, lind was nach der Wahrscheinlich-keit oder Nothwendigkeit dabcp möglich gewesen. Denn Gc-
(°) Dichtk, 9lcs Kapitel.