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Zweyter Band. 451
Was sonst diese Blätter werden sollten, darüber habe ichmich in der Ankündigung erkläret: was sie wirklich geworden,das werden meine Leser wissen. Nicht völlig das, wozu ich siezu machen versprach: etwas anderes; aber doch, denk ich, nichtsschlechteres.
„Sie sollten jeden Schritt begleiten, den dic Knnst, sowohl„des Dichters, als des Schauspielers hier thun würde."
Die letztere Hälfte bin ich sehr bald übcrdrüßig geworden.Wir haben Schauspieler, aber keine Schauspielkunst. Wenn cövor Alters eine solche Kunst gegeben hat: so haben wir sie nichtmehr; sie ist verloren; sie muß ganz von neuem wieder erfun-den werden. Allgemeines Geschwätze darüber, hat man in ver-schiedenen Sprachen genug: aber specielle, von jedermann er-kannte, mit Deutlichkeit und Präcision abgefaßte Regeln, nachwelchen der Tadel oder das Lob des Akteurs in einem beson-dern Falle zu bestimmen sey, deren wüßte ich kaum zwey oder drey.Daher kömmt es, daß alles Raisonncmcnt über diese Materie im-mer so schwankend und vieldeutig scheinet, daß es eben kein Wun-der ist, wenn der Schauspieler, der nichts als eine glückliche Rou-tine hat, sich auf alle Weise dadurch beleidiget findet. Gelobt wirder sich nie genug, getadelt aber allezeit viel zu viel glauben: jaöfters wird er gar nicht einmal wissen, ob man ihn tadeln oderloben wollen. Ucbcrhaupt hat man die Anmerkung schon langstgemacht, daß die Empfindlichkeit der Künstler, in Ansehung derCritik, in eben dem Verhältnisse steigt, in welchem die Gewiß-heit und Deutlichkeit und Menge der Grundsätze ihrer Künsteabnimt. — So viel zu meiner, und selbst zu deren Entschuldi-gung, ohne die ich mich nicht zu entschuldigen hätte.
Aber die erstere Hälfte meines Versprechens? Bey dieser istfreylich das -Hier zur Zeit noch nicht sehr in Betrachtung gekommen,— und wie hätte es auch können? Die Schranken sind nochkaum geöffnet, und man wollte die Wcttläufcr lieber schon beydem Ziele sehen; bey einem Ziele, das ihnen alle Augenblickeimmer weiter und weiter hinausgesteckt wird? Wenn das Pu-blikum fragt; was ist denn nun geschehen? und mit einem höb-nischen Nichts sich selbst antwortet: so frage ich wiederum; undwas hat denn das Publikum gethan, damit etwas geschehen