Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
40
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4t) Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 47ZZ.

(30. Jan.) Begebenheiten eines sich selbst Unbekannten.Aus dem Englischen überseyt. Frankfurt und Leipzig 1765.In 8vo. 1. Alphb, 4 Bogen. Wenn doch dieser sich selbstUnbekannte die Gütigkcit gehabt hätte, und auch der Welt unbekanntgeblieben wäre. Er wird ausser dem Hause seiner Acltern, dieer gar nicht kennet, erzogen. Es fehlet ihm in den ersten Jahren annichts, und er findet sich so gar, ohne sein Zuthun, in ein ziemlicheinträgliches Amt gesetzt. Doch durch eine lüderliche Lebensart, undbesonders dadurch, daß er Komödiant wird, verscherzt er die Liebeseiner unbekannten Versorgen Er wird sich selbst überlassen, undaus einem Unglücke in das andere verschlagen. Er schweift baldals ein Bedienter, bald als sein eigner Herr in London herum, undspielt so wohl unter der einen, als unter der andern Gestalt den ver-liebten Ritter. Er lernt seine Schwester kennen, ohne zu wissen, daßes seine Schwester ist, und hätte sich bald auf gar keine brüderlicheArt in sie verliebt. Doch alles geht noch gut ab, und seine unbe-kannte Schwester wird die »»vermuthete Gelegenheit, daß er von sei-nem sterbenden Vater, eben so wohl als sie, erkannt und wieder ange-nommen wird.--Das ist das Gerippe des Romans, um welches

der Scribent einige elende Lumpen aus dem ärgerlichen Leben derenglischen Buhlschwestern geworfen hat, um ihm ungefehr eine Gestalt

zu geben.--Ist es erlaubt, weil Richardson und Fielding ein

gutes Vorurthcil für die englischen Romane erweckt haben, daß manuns allen Schund aus dieser Sprache aufzudringen sucht? Kostet inden Vossischen Buchläden hier und in Potsdam 44 Gr.

(22. Febr.) versuche in der tragischen Dichtkunst, bestehendin vier Trauerspielen, nämlich Zayde, Mariamne, Thusneldeund Zarine. Breslau verl- Carl Gottfr. Meyer 1724. In gr.8vo. 16 Logen. Wenn wir sagen, daß der Herr Baron vonSchönaich, der Scribent des Hermanns, Verfasser von diesen Versu-chen ist, so werden wir hoffentlich auf einmal das vollständigste Urtheildavon gefällt haben, das man davon fällen kann. Es folgt nichtnothwendig, daß ein guter Hcldendichtcr auch ein guter tragischerDichter seyn müsse; aber das folgt nothwendig, das der, welcherschlechte Epopecn schreibt, auch nicht anders als schlechte Trauerspieleschreiben werde. Der Herr Baron hat es der Welt schon gewiesen,daß er so ziemlich die mechanischen Regeln alle beobachten, und, Trotz