42 Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1755.
der Grundsprache nicht gelesen haben, wenn sie nur sonst das englischeGenie ein wenig kennen. Er hat nicht allein ei» vollkommen franzö-sisches Ansehen bekommen, sondern er ist auch so glücklich crebillonisirtworden, daß man ohne Mühe entdeckt, er müsse zu der Familie der^Aareilleus äe A clu ooeur, der Briefe der Ninon :c> ge-
hören. Diese Familien Gleichheit bestehet in den sophistisch metaphy-sischen Zergliederungen der Liebe und aller damit verwandten Leiden-schaften, in welchen der jüngere Crebillon ein so grosser Meister ist,daß man glauben sollte, nur er allein müsse das menschliche Herj vondieser Seite kennen, welches in seinen Schilderungen zu einem weitgrössern Labyrinthe wird, als es vielleicht in der That ist. Die erstenvier Theile dieser glücklichen Findlinge enthalten noch sehr wenig,was zu ihrer eigendlichen Geschichte gehört, wozu in dem ersten nurgleichsam der Grund gelegt wird. Die andern drey sind völlig miteiner fremden Geschichte erfüllt, von der man es erwarten muß, obsie mit dem Ganzen glücklich genug wird verbunden seyn. Vor jctzoist man zufrieden, daß sie den Lesern wichtig und reihend genug scheint,die vornehmsten Helden ohne Mißvergnügen deswegen aus dem Ge-sichte zu verlieren. Kostet in den Vossischen Buchläden hier und inPotsdam 21 Gr.
(27. Febr.) Du //a««»^ ^ous /'^m/iii's c?e /a /^ovi^ence,^ivui' ^ei'Vt?' c/e ^e/ei'v«/«/ con/i'e /a Aoo/i'ine c/u Fala/i/me mo-llei'iie xa^ M^. t/e ^i'emon/iia/. « Ae^/i» au.v c/e/ie«« c/e ^. t).HW/e^ 1765. In 8vc>. 10 Bogen. Der Herr von premonrval,dessen Tiefsinnigkeit die Welt nun schon aus mchr als einer Schriftkennet, fängt in der gegenwärtigen an, einen grossen Theil derjenigenZweifel aufzulösen, die er selbst wieder die Freyheit vorgetragen hat.Wenn die nachdrückliche Art, mit welcher er sie vortrug, einigen christ-lichphilosophischen Zärtlingen verdächtig scheinen konnte, so wird ebendiese nachdrückliche Art, mit welcher er sie nicht bloß zu verkleistern,sondern aus dem Grunde zu heben sucht, ihr Gewissen mit einemManne wieder aussöhnen können, dessen lautere Absichten ihm wedereine Stelle unter den Zweiflern noch unter den Fatalisten verdienen.Um zu zeigen, was für einen Einfluß die rechtverstandene Lehre vomOhngefehr besonders auf die Lehre von der Sittlichkeit unsrer Hand-lungen haben könne, mußte der Herr von premontval nothwendigerst zeigen, daß es ein Ohngefehr gebe. Und dieses thut er in der