Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
73
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Vorrede zu Jacob Thomsons Trauerspielen.

sie sich über die beste Art der Rechtschreibung eben so wohl ver-glichen gehabt hätten, so wurde ich den Leser, im Namen desVerlegers, nicht ersuchen dürfen, den kleinen Ilcbclstand zu ent-schuldigen, eine gedoppelte Art derselben in einem Bande ge-braucht zu sehen.

Eines wollte ich, daß sie bey ihrer Uebersetzung nicht weg-gelassen hätten; nehmlich die zu jedem Stücke gehörigen Prologenund Epilogen. Sie sind zwar nicht alle vom Thomson selbst;sie enthalten aber alle sehr viel artiges, und die Epilogen, dievon ihm selbst sind, eifern größten Theils wider den gewöhn-lichen burlesken Ton der englischen Epilogen bey Trauerspielen.

Den einzigen Prologen des Loriolans, desjenigen Stücks,welches erst nach dem Tode des Verfassers gespielt ward, kannich mich nicht enthalten hier ganz zu übersetzen. Er schildertden moralischen Charakter des Dichters, welchen näher zu kennen,dem Leser nicht gleichgültig seyn kann. Er hat Herrn Ayttleton.zum Verfasser, und der Schauspieler, welcher ihn hersagte, warHerr Guin. Dieses ist er:

Ich komme nicht hierher, eure Billigkeit in Beurtheilungeines Werkes anzuflehen, dessen Verfasser, leider, nicht mehrist. Er bedarf keines Vorsprechcrs; ihr werdet von selbst diegütigen Sachwalter des Verstorbnen seyn. Seine Liebe warauf keine Parthey, auf keine Sekte eingeschränkt; sie erstrecktesich über das ganze menschliche Geschlecht. Er liebte seineFreunde verzeiht der hcrabrollcndcn Thräne. Ach! ich fühlees; hier bin ich kein Schauspieler Er liebte seine Freundemit einer solchen Inbrunst des Herzens, so rein von allemEigennutze, so fern von aller Kunst, mit einer so großmüthigenFreyheit, mit einem so standhaften Eifer, daß es mit Wortennicht auszudrücken ist. Unsre Thränen mögen davon sprechen.O unverfälschte Wahrheit, o unbefleckte Treue, o männlichreizende und edel einfältige Sitten, o thcilnehmcnde Liebe ander Wohlfarth des Nächsten, wo werdet ihr eine andre Brust,wie die scinige, finden! So war der Mensch den Dichterkennt ihr nur allzuwohl. Oft hat er eure Herzen mit süsscm Weherfüllt; oft habt ihr ihn, in diesem vollen Hause, mit verdien-tem Bcyfalle, die reinsten Gesetze der schönen Tugend prcdi-