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Norbericht zu Laws ernsthafter vnininierung.
„gen hören. Denn scinc keusche Muse brauchte ihre himm-lische Lcycr zu nichts, als zu Einflößung der edelsten Gesin-nungen. Kein einziger unsittlicher, verderbter Gedanke, keine„einzige Linie, die er sterbend, ausstrcichcn zu können, hätte„wünschen dürfen! O möchte eure günstige Beurtheilung diesen„Abend noch einen andern Lorbeer hinzuthun, sein Grab damit„zu schmücken! Jetzt, über Lob und Tadel erhaben, vernimmt„er die schwache Stimme des menschlichen Ruhms nicht mehr;„wenn ihr aber denen, die er auf Erden am meisten liebte, dc-„ncn, welchen seine fromme Vorsorge nunmehr entzogen ist, mit„welchen scinc freygebige Hand und sein gutwilliges Herz, das„wenige, was ihm das Glück zukommen ließ, theilte, wenn„ihr diesen Freunden durch eure Gütigkcit dasjenige verschafft,„was sie nicht mehr von ihm empfangen können, so wird auch„noch ictzt, in jenen seligen Wohnungen, seine nnstcrblichc Seele„Vergnügen übcr diese Großmuth empfinden."
Die letzten Zeilen zu verstehen, muß man sich aus dem Le-ben des Dichters erinnern, daß die von der Vorstellung ihmzukommenden Einkünfte, seinen Schwestern in Schottland ge-geben wurden.
Eine ernsthafte Ermunterung an alle Christen zueinem frommen und heiligen Leben.Von William Law. ^. M.Aus dem Englischen übersetzt. 1766.
Vorbericht.*)
Von dem Verfasser dicscs Wcrks weiß der Ucbcrsctzcr dessel-ben weiter nichts, als daß er ein Prediger in Zrrland irgendwogewesen, und sich auch noch durch andre Schriften bekannt ge-macht hat. Er hat von der christlichen Vollkommenheit, An-merkungen übcr die bekannte Zabel von ven Bienen, von der
°) Die Erzählung in Lcssinqs Lebe» I, S. 198 kann Zweifel errege»ob dieser Vorbericht von ihm ist. Inzwischen hat nach den alte» weid-männischen Handlungsbüchern Lcssing das Honorar für das ganze Werk er-halten , Weiße nichts. Diese Notiz verdankt der Herausgeber Herrn S. Hirzcl,