Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
108
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408 Friedrichs von Log.ni Sinngedichte,

alle beybehaltenen Stücke, Meisterstücke sind; genug, daß indem unbeträchtlichsten noch stets etwas zu finden seyn wird,warum es unserer Wahl werth gewesen. Ist es nicht allezeitWitz, so ist es doch allezeit ein guter und großer Sinn, einpoetisches Bild, ein starker Ausdruck, eine naive Wendung, unddergleichen. Auch wird das schlechteste noch immer dazu dienen,dem Leser zu zeigen, wie wenig er den Verlust der übrigenStücke zu bedauern hat.

Es ist uns ein Exemplar unsers Dichters zu Händen gekom-men, das sich aus der Stollischen, Bibliothek hcrschreibt, undin welchem hier und da eine unnatürliche, harte Wortfügungmit der Feder geändert worden war. Der Zug der Schriftwäre alt genug, es für die eigene Hand des Herrn von Logauzu halten. Doch dazu gehören stärkere Beweise, und wir wol-len es also nicht behaupten. Unterdessen haben wir doch fürgut befunden, einige von diesen Aenderungen anzunehmen, undeinige, ihnen zu Folge, selbst zu wagen. Der Leser stößt nir-gends so ungern an, als in einem Sinngedichte, welches allzukurz ist, als daß man die Unebenheiten darinn übersehen könnte.

Wir sind uns bewußt, daß wir durch diese wenigen undgeringen Veränderungen den alten Dichter nicht im geringstenmoderner gemacht haben; wir sind ihm nur da ein wenig zuHülfe gekommen, wo wir ihn allzuweit unter seiner eignen rei-nen Leichtigkeit fanden; und haben es alsdann in dem Geisteseiner eignen Sprache zu thun gesucht.

Wie groß unscrc Hochachtung für diese seine alte Spracheist, wird man aus unsern Anmerkungen darüber, die wir inGestalt eines Wörterbuchs dem Werke beygefügt haben, deutlichgenug erkennen. Achnlichc Wörterbücher über alle unscrc gutcnSchriftsteller, würden, ohne Zweifel, der erste nähere Schrittzu einem allgemeinen Wörterbuchs unsrer Sprache seyn. Wirhaben die Bahn hierin«, wo nicht brechen, doch wenigstenszeigen wollen.

Endlich können wir unsern Lcscrn auch nicht verbergen, daßbereits vor mehr als fünfzig Jahren ein Ungenannter eine ähn-liche Arbeit mit unserm L.ogau untcrnommcn gehabt. Er hatnehmlich (1702) S v. G. cuiferrvecrte Gedichte hcrausgcgcbcn.