Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

».'

110 Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(3) Steuer.

Wo Venus weiland saß und den Adonis küßte,

Wuchs Gras und Blum hervor, war gleich die Gegend wüste.

Wo Bacchus weiland gieng, da wuchsen lauter Reben,

Und jeder dürre Strauch mußt eitel Trauben geben.

Kanns nicht die Steuer auch? Ein woblvcrstcurtcr Grund

Soll geben desto mehr, je mehr er wüste stund.

Wer weiß ob jenes war; wer weiß ob dieß kann seyn?

Dort glaube wer da will; hier gicbts der Augenschein.

(4) Ueber das Fieber einer fürstlichen Person.

Unsre Fürstin» lieget krank. Venus hat ihr dieß bestellt,Die, so lange jene blaß, sich für schön nun wieder halt.

(Z) Schlachten.

Es bleibt in keiner Schlacht itzt vicrztgtauscud Mann.Was Hannibal gekonnt, ist keiner, der es kann?Es ist ja unser Mars zum Schießen abzeucht?O, schießen kann er zwar stehn aber will er nicht.

(6) Erabschrift eines lieben Ehegenossen.

Leser, steh! Erbarme dich dieses bittern Falles!

Außer Gott, war in der Welt, was hier liegt, mir Alles.

(7) Hoffnung.

Auf was Gutes, ist gut warten;Und der Tag kömmt nie zu spat,Der was Gutes in sich hat.Schnelles Glück hält schnelle Fahrten.

(8) Spanien .

Spanien liegt, wie ein Säugling, an der Ost- und WcstcnbrustIndiens; wie viele Lander hätte» zu der Speise Lust!

(9) Junger Rath.

Bey Hofe gilt der junge Rath, als wie ein junger Wein;Wiewohl er Darmgicht gerne bringt, doch geht er lieblich ein.