Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
203
Einzelbild herunterladen
 

Siebendes Buch.

(8l)) Scelcnwandcrung.

Dasz eine fremde Seel i» fremden Körper krieche,Das glaube wer es will; es sind nicht Bibelsprüche.Dieß aber ist gewiß, das; itzr ein fremder LeibOft fähret auf und in ein fremdes Pferd, Kleid, Weib.

(81) Auf die Prisca.

Deine Schönheit liegt am Laden, gar nicht, Prisca, in der Kiste;Was man sieht, das ist das Beste, mit dem Innern steht es wüste.

(82) Gewandelte Freundschaft.

Wer die Freundschaft brechen kann,Ficng sie nie von Herzen an:Der ward falsch ein freund gencnnt,Wer sich von dem Freunde trennt.

(83) Tas Glück ein gemein Weib.

Das Gluck ist wie ein Weib, die keinen völlig liebet,Indem sie sich ilzt dem, itzt jenem übcrgicbct.

(84) Bücher.

Es ist mir mcinc Lust, bcv Todten stets zu leben;

Zu scvn mit denen, die nicht sind, rnnd um umgeben,

Zu fragen, die ganz taub; zu hören, die nichts sagen;

Und die nichts haben, doch viel Pflegen aufzutragen,

Vor andern vorzuzicbn. Ich bin anf die beflissen,

Die mir viel Gutes tlum, und doch von mir nichts wisse».

Ich Halle diese hoch, die nie mich angcschn;

Die manchmal mich im Ernst verhöhnen, schelten, schmähn,

Sind meine besten Freund'; anstatt sie hinzugeben,

So gab ich alle Welt dahin, und auch das Leben.

(86) Auf den Curvus.

Eurvus ist den Lastern gram, nicht aus Tugend, nur aus Neid ;Daß er ihnen nicht mehr dient, schafft nicht Wille, sondern Zeit.

(86) Hoffarth.

Ich nehm ein Quintlein Glück, nnd kaufe Hofegunst:Ob dir es so beliebt, nimm einen Eentncr Kunst:Die leichte Münze gilt, die schwer ist bicr umsonst.