Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
204
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01

Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(87) Verliebte.

So viel Händel, so viel Wunder, als verliebte Leute mache»,Wozu dient es? wohin zielt es? Denke nach, so wirst du lachen.

(88) Austritt der Zunge.

Die Zunge wohnt mit Fleiß in weißem Bcingchäge.Denn dieß ist ihre Gränz, in der sie sich bewege.Wächst aber wo die Zung, und steiget übern Zaun/Derselben traue du, ich will ihr nimmer traun.

(89) Der Liebe Blindheit.

Ein Wollsack und ein Kvhlcnsack, da die beysammen stunde»,Da schoß Cupido, und der Pscil ward iu dem schwarzen funden.Die Lieb ist an die Farbe nicht, dieweil sie blind, gebunden.

(9t>) Männermangel.

Daß mehr Weiber sind als Männer, macht des Krieges Raserey;Doch mich dünket, Weiber stunden durch die Buhlschaft Kriege bey.

(91) Ein fauler Knecht.

Wenn selten stiehlt ein Dieb, und nie ein Knecht was thut,So halt ich den für bös', und jenen mehr sür gut.

(92) Auf den Vagus.

Vagus liebet Weiber, Wittwen, Jungfern, Mägde, was es giebt;Christenlicb ist so geartet, denkt er, daß sie alles liebt.

(93) Freunde.

Freunde die das Glücke macht sind kein rechtes Meisterstücke,Wenn sie nicht zuvor beschaut und bewährt das Ungclücke.

(94) Auf die Stultina.

Alle sehen ernsthaft aus: deunoch will Stultina lache»?Weil sie weiße Zähne hat, sucht sie sich beliebt zu mache».

(9S) Tie Freyheit.

Wo dieses Freyheit ist, zu thu» »ach aller Lust,So sind ein srcycs Volk die Säu in ihrem Wust.