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Friedrichs von Logau Sinngedichte.
Für Gntcs Böses geben, ist schändliches Beginnen;Für Gutes Gutes geben, gebühret frommen Sinnen;Für Böses Gntcs geben ist recht und wohl gethan,Denn daran wird erkennet ein ächter Christcnman».
(28) LebcnSsatz.
Viel bedenken, wenig reden, und nicht leichtlich schreiben,Kan viel Händel, Viel Beschwerden, viel Gefahr vertreiben.
(29) Fürstengeschcnke.
Fürstcngaben sind wie Bäche, stürzen immer gegen Thal;Treffen so nur, wie sie treffen, ohngcfähr und ohne Wahl.
(30) Hand und Finger, ein Vorbild brüderlicher Einigkeit.
Jeder Finger an der HandHat sein Maaß und seinen Stand.Jeder hilft dem andern ein,Keiner will sein eigen seyn.Brüder, die des Blutes PflichtHat in Einen Bund gcricht,Sagt, was wollcn die sich zcihn,Wenn sie eigennützig sevn?Wenn sie das gemeine HeilMessen nach dem eignen Theil?Wenn nur jeder darauf denkt,Was den ander» Bruder kränkt?Wenn der andre steigen willHin auf den, der niederfiel?Wetten will ich, all ihr ThunWird auf Misgriff nur beruhn.
(31) Verstand.
Witz, der nur auf Vortheil gehet, ist nicht Witz, er ist nur Tücke.Rechter Witz übt nur was redlich, weiß von keinem krummen Stücke.
(32) FricdcnSkrieg.
Wer durch Waffen überwunden,Hat noch lange nicht gesiegt:Friedemachcn hat erfunden,Daß der Sieger unterliegt.