Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
212
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(41) Angezogene Schrift.

Wenn der Hausherr, wann die Diebe kommen wollten, eigen wußteWürd er wachen: sagt ein Priester, als der Bischof ihn begrüßte.

(42) Freyheit.

Wer seinem Wille» lebt, lebt ohne Zweifel wohl;Doch dann erst, wenn er will nicht anders, als er soll.

(43) Uebcrfluß.

Der Uebcrfluß hat keinen Feind, der ärger ist, als er:In kurzem führt er über sich den Mangel selber her.

(44) Abfall.

Es ist ein Wunderding: wer zehn, wer zwanzig Jahr,Und länger, nicht gewußt, was rechter Glaube war,Wenn der vom ersten tritt, und nimmt dc» andern an,Daß der bald alles weiß, und andre lehren kann!Mich dünkt, Gunst, Ehre, Macht, Gemach und gute BissenDie stärkten ihm das Hirn; nicht aber das Gewissen.

(4Z) Auf den Udus.

Udns säuft den ganzen Tag. Wird er drüber wo besprochen,Spricht er: einen halben Tag hab ich mich am Durst gerochen,Und den andern halben Tag sauf ich darum wieder an,Weil mich leicht der böse Durst tückisch überfallen kann.

(46) Jungfern.

Gute Bißlcin bleibe» selten in der Schüssel liegen:Jungfern bleibe» scltc» sitzen, wenn sie nur was tügcn,

(47) Die Armuth.

Die Armuth ist mit dem insonderheit begabt,

Daß sie, wohin sie kömmt, hat, was sie hat gehabt.

(48) Jungfrauschaft.

Ein glühend Eise» i» der Ha»d,Ein unverletzter Jungfcrnstand,Ist leichtlich nicht zu tragen allen:Man lässet beides gerne falle».