Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
231
Einzelbild herunterladen
 

Neuntes Buch,

231

(77) Freund und Feind.

Ein Freund, der nie mir hilft, ein Feind, der nichts mir thut,Sind bcid' aus einer Zunft; sie sind gleich schlimm, gleich gut.

(78) Gnädig und gestrenge.

Fürsten nennet man genädig, Räthe nennet man gestrenge.Jene mchncn, daß nur diese, ihrer keiner, Leute dränge.

(79) Jungfernword.

Gestern war ein Freudenfest; drauf ward in der späten Nacht,Eh es jemand hat gesehn, eine Iungscr umgebracht.Einer ist, der sie vermuthlich (alle sagcns) hat crtödtet,Denn so oft er sie berühret, hat die Leiche sich crröthet.

(80) Eine Graskrone.

Der sein Vaterland errettet diese» krönte Rom mit Gras.

Blieb' uns doch so viel von Grünem, daß man wo zum Kranze was

Nur für die zusammenläse, die das deutsche Baterland

(Ließen sie gleich nichts darinnen) dennoch ließe», daß es staiid.

(81) Hofdiener.

Treue Diener sind bey Hofe nach dem Tode bald vergesse».O sie werden schlecht geachtet, wenn sie gleich »och da gesessen.

(82) Auf den Cacus.

Cacus war ein junger Schelm, ist ein alter frommer Mann;Daß er anders ist, als war, macht, daß er itzt »immer kann.

(83) Meßkunst.

Länge, Breite, Höhe, Tiefe vieler Dinge kann ma» messe»:Andre forschen, ist zu wichtig; selbst sich prüfen, bleibt vergessen.

(84) Blutsverwandte.

Ist Gold das andre Blut- hat manchen Blutsfrcund der,Dem nur der Beutel voll, und keinen, dem er leer.

(85) Auf den Canus.

Canus hat ein junges Mcnschlci» voller Glut und Geist genommen:

Zu der Hochzeit wird maiich Schwager, drauf der Tod zu Gaste komme».