Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
239
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Zehntes Buch,

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(38) Feile Ehre.

Weiland mußte man um Ehre wachen, bluten, schwitzen, schnaufen;Nunmehr ist sie zahmer worden, läßet sich um Münze kaufen.

(39) Wahrheit und Lügen.

Die Wahrheit ist ein Oel, die Lügen Wasser; schwimmtDoch endlich oben auf, wie viel man Wasser nimmt.

(40) Gold aus der neuen Welt.

Wie so viel des goldnen Staubes hat die neue Welt gcstrcuet!

Wie so wenig ist erschienen, deß die alte Welt sich freuet!

Nenn das Gold der neuen Welt macht, daß alte Welt sehr narrt,

Ja es macht, daß alte Welt ganz in ihrem Blute starrt:

Denn auf Prachtc», denn auf Kriegen, pflegt man allen Schatz zu wagen;

Arme Christen zu versorgen will die ganze Welt nichts tragen.

(41) Von mir selbst.

Dem Besten gleich zu gehn das bild ich mir nicht ein;Hoff aber besser doch als Böse noch zu scvn.

(42) Eine Rede.

Gute Reden sind wie Zungfern, die man nach der Größe nichtDie nach Schönheit, nach Geschicke, nach Verstand man gerne richt.

(43) Auf den Pätus.

Pätus, du und auch dein Weib lebet stets in Einem Willen:Jedes will das andre sehn ehestens sein Grab erfüllen.

(44) Unterschied.

Was Einem Recht ist, Freund, ist nicht dem andern Recht,Sonst war des Herren Frau auch für des Herren Knecht.

(46) Auf die bekreidete Lucida.

Lucida, du schöner Schwan, dran zu tadeln keine Feder,

Wenn du nur nicht, wie der Schwan, drunter decktest schwarzes Leder!

(46) Liebesarbeit.

Die bey der Lieb in Arbeit stehn,Die wird man fast beständig sehnDer andern Arbeit müßig gehn.