Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
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262
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Friedrichs von Logau Sinngedichte,

(123) Das Urtheil des Paris ,

Daß Paris nicht recht klug im Urthcln sey gewesen,Mcynt jeder, der von ihm gehöret und gelesen:Mich dünket immer noch, ihm fiele mancher bey,Skünd ihm nur Helena dafür, wie jenem, freu,

(124) Menschen sind Menschen.

Trägt der Diener Menschenhaut, trägt der Herr ein McnschcnhcnidcHerren ist das Fehlen auch, wie den Dienern, selten fremde.

(125) Wollust und Schmerz,

Das Letzte von der Hitze giebt Anfang auf den Frost,Den Anfang auf das Trauern das Letzte von der Lust.

(126) Ansehen.

Das Ansehn wird erhalten, wenn jeder sich erweistSo wie sein Stand es fodcrt, und ihm sein Amt es heißt.Wenn Kauflcut Edelleute und Pfaffen Krieger spielen,Wird Ansehn keinem kommen, weil sie den Zweck »erzielen.

(127) Weiber sind Menschen.

Ob Weiber Menschen sind? Sie haben ja Vernunft,Sie lieben fort und fort; denn wilder Thiere ZunftHegt nur zu mancher Zeit der süßen Liebe Brunft.

(128) Hofwitz.

Wer nicht bey den schlauen Hosen jedem Kopfe weiß zu kommen,Der hat selber nicht nach Hofe was von Kopfe mitgenommen.Wer da bcv den schlauen Höfen jedem Kopfe weiß zu kommen,Der hat nur den Kopf nach Hofe, das Gewissen nicht, genommen.

(129) Das fromme Alter.

Wenn die Wollust uns verläßt, dann kömmt uns die Andacht an:Himmel hat den alten nur, Welt hat vor den jungen Mann.

(130) Reformation,

Immer dünkt mich, wer nichts hat, der mag glauben was er will;Denn um seine Seligkeit müht sich keiner leichtlich viel.