Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
269
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Zwölftes Buch.

269

(63) Hier sind wir, dort bleiben wir.

Ich bin, ich bleibe nicht in dieser schnöden Welt:Und weil das Bleiben mir mehr als das Seyn gefällt,So lieb ich Sterben mehr als Leben; denn alsdannHör ich zn seyn erst auf, und fang zu bleiben an.

(64) Zweyerley Nacht und zweyerley Tag.

Zwev Nächte hat der Mensch, der Mensch hat auch zwey Tage,Drauf er sich freue theils, theils drüber sich beklage:Der Mutter Leib ist Nacht, das Grab ist wieder Nacht;Geburt giebt Einen Tag, wie Tod den andern macht.Die erste Nacht und Tag ist voller Noth und Leiden;Der Tag nach letzter Nacht bleibt voller Heil und Freuden.

(66) Zeitliche Euter.

Weltlich Gut wird von sich selbst, oder wird von uns verzehret,Oder wird durch List, durch Macht, andern zu, uns weg gckchrct.

(66) Der Spiegel .

Der Spiegel kann zwar weisen, doch reden kann er nicht;Sonst hätt er mancher Stolzen den Irrthum schon bericht.

(67) Vorschub und Hülfe.

Wer dem Nächsten mcvnt zu helfen, und will vor Warum? erst fragen,Dem geht Hülfe nicht von Herzen, will nur auf den Ruhm was wagen.

(68) Glück und Recht.

Denen die da schliefen, ist viel Glück entzogen,Denen die da wachen, ist das Recht gewogen.

(69) Sorgen.

Bey wem bleibt Kummer gerne und will am liebsten ruh»?Bey denen, die ihn warten und die ihm gütlich thun.

(60) Säufer.

Gottes Werk hat immer Tadel: Wem der Tag zu kurz zum Trinken,Diesem will auch zum Ernüchtern gar zu kurz die Nacht bedünkcn.