Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
270
Einzelbild herunterladen
 

0

Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(61) Kleider.

Kleider machen Leute: trifft es richtig ein,Werdet ihr, ihr Schneider, Gottes Fuschcr sct'ii.

(62) Auf die Bella und den Iungus.

Zungus Weib ist lauter Winter, Sommer ist er selbst; wer weiß,Ob Eis Hitze dämpfen werde, oder ob die Hitz das Eis?

(63) Krivpcnrciter.

Es ist ein Volk, das seine Pferd' an fremde Krippen bindet,Das sich bey fremdem Feuer wärmt, zu fremdem Teller findet:Verhöhn es nicht! es ist das Volk, das uns im Werke weiset,Daß hier der Mensch noch nicht daheim, und nur vorüber reiset.

(64) Der Neid.

Der Neid ist gar ein Wundcrgast: denn kehret er wo ein,Wird ihm das allerbeste Ding zur allerärgstcn Pein.

(66) Schmeichler.

Wer will alle Mucken können aus der Speisekammer treiben?Heuchler werden nie vergehen, weil noch werden Höfe bleiben.

(66) Krieg zwischen Holland und England .

Ihr blanken Heringshcerc, o sagt von Herzen DankFür Engclands und Hollands erneute» Waffenzank!Weil beide selbst sich fressen, kann keines euch verschlingen,Noch euch aus eignem Salze hin in ein fremdes bringen.

(67) Auf den Atriol.

Unter Augen, hinterm Rücken, lobt mich, schimpft mich, Atriol.Was zu thun? An ihm und andern will ich mich dermaßen räche,»,Daß er hinterm Rücken lügen, vor den Augen Wahrheit sprechen,Daß mir selbst das Lob verbleiben, ihm der Schimpf verbleiben soll.

(68) Das Gegenwärtige, Vergangene und Zukünftige.

Was ist, wie lange währts? Was war, was hilft michs wohl?

Was werden wird, wer weiß obs mir, obs ander» soll?

Was hier ist, war, und wird, ist, war, und wird ein Schein;

Was dort ist, war, und wird, ist, war, wird ewig seyn.