Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
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272
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

(78) Geiziges Reichthum.

Wer Geld nicht braucht, doch hat, warum hat der denn Geld?Damit er etwas hat, das ihn in Marter hält.

(79) Von meinen Reimen.

Ich schreibe Sinngedichte; die dürfen nicht viel Weile,(Mein andres Thun ist vslichtig,) sind Töchter freyer Eile.

(80) Gefährlichkeit.

Kohlen faßt man, daß die Hand sicher bleiben soll, mit Zangen:Was gefährlich ist, hat man mit Bedeute» anzufangen.

(81) Fremde wiener.

Fürsten bauen oft aufs Fremde, eigner Grund wird oft verschmäht:Werden endlich innc werden, daß ihr Bau nicht Ihnen steht.

(82) Gewalt für Recht.

Gewohnheit wird Gebot durch Brauch und lange Zeit:Krieg hat durch dreyßig Zahr Gewalt in Recht gefreyt.

(83) Das Zcitrad.

Die Zeiten sind als wie ein Rad, sie reißen mit sich um

Wer sich dran henket, machen ihn verdreht, verkehrt, krumm, dumm.

(84) Verschwiegenheit.

Wer selber schweigen kannDem schweiget jedermann.

(85) An den Tod.

S Tod, du schwarzer Tod, du Schauer unsrer Sinnen!

Thu ich dir auch zu viel? Ja wohl! Du kannst gewinnen

Ein englisches Gesicht: denn du bists, der erfreut.

Du bists, der uns cutzeucht dem Leben toller Zeit;

Du bists, der uns den Hut der goldncn Freyheit schenket;

Du bists, der uns crgetzt, (zwar unsre Freunde kränket!)

Du bists, der unsern Stul hin zu den Sternen trägt;

Der aller Frevler Trotz zu unsern Füßen legt;

Du bists, der unsre Klag in lauter Jauchzen kehret;

Du bists, der uns für Zeit die Ewigkeit gewähret;