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5 (1839)
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Friedrichs von Logau Sinngedichte.

Mir schmeckt der klare Saft, mir schmeckt das reine Naß,Das ohne Keller frisch, das gut bleibt ohne Faß,Um das die Nvmphen nicht erst mit der Ceres kämvfen,Wer Meister drüber setz; das nichts bedarf zum dämpfen,Weils keinen Schwcfclrauch und keinen Einschlag hat;Das feil steht ohne Geld, das keine frevle ThatDen jemals hat gelehrt, der ihm daran ließ gmigen.Der Krämer nutzer Schwur und ihr gcnießlich LügenHat nimmer Erndl um mich: der vielgcvlagtc LeinDer muß, der kann mir auch anstatt der Seide sevn.Bewegung ist mein Arzt. Die kräuterrcichcn WälderSind Apotbcks genug; Gold tragen mir die Felder.Was mangelt mir denn noch! Wer Gott zum Freunde hat,Und hat ein eignes Feld, fragt wenig nach der Stadt,Der vorthcilhaftcn Stadt, wo, Nahrung zu gewinnen,Fast jeder muß auf List, auf Tück, auf Ränke sinnen.

Drum lebe wohl, o Stadt! Wenn ich dich habe, Feld,So hab ich Haus und Kost, Kleid, Ruh, Gesundheit, Geld.

(10) Ueber die deutschen Gedichte Herrn Wenzel Schärfers,

Kein Kraut dient für das Todten.Nein, sagen die Poeten:Ein Blatt von unserm Kranze,Der frischen Lorbecrvflanze,Erwärmt von unsrer Stirne,Begeistert vom Grl'irnc,Giebt Balsam zum Genesen,Und trotzet das Verwesen.

Nicht anders. Ihr Poeten,Der Tod kann keinen todten,Den ihr und eure SinnenNicht lassen wollt von hinnen.Die alten kühnen DegenGehn noch auf unsern Wegen,Die ihrer Druden LiederNicht ließen sinken nieder.Was wüßten wir von HeldenUnd ihrer Thnrst zu melden,Wenn nicht Poetcngcistcr,Des schwarzen Grabes Meister,