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5 (1839)
Entstehung
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Vorbericht von der Sprache des Logau.

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stc verstehen muß, sondern auch ans diejenigen von unsernRednern und Dichtern gesehen, welche Ansehen genug hätten,die besten derselben wieder einzuführen. Wir brauchen ihnennicht zu sagen, daß sie der Sprache dadurch einen weit grö-ßer« Dienst thun würden, als durch die Prägung ganz neuerWörter, von welchen es ungewiß ist, ob ihr Stempel ihnenden rechten Lauf so bald geben möchte. Noch weniger brauchenwir sie zu erinnern, wie ein veraltetes Wort anch dem cckclstcnLeser, durch das, was Horaz calliäsm ^unewrnm nennt, an-nehmlich zu machen ist.

Ferner haben wir unsern Fleiß auf die Provinzialsprachc desDichters gerichtet. Die Schlcsischc Mundart ist deswegen einerkritischen Aufmerksamkeit, vor allen andern Mundarten, würdig,weil wir in ihr die ersten guten Dichter bekommen haben. DieVortheile, welche diese Männer an eigenen Wörtern, Vcrbin-dungsartcn und Wendungen darinn gefunden haben, verdienen,wo nicht für allgemeine Vortheile der Sprache angenommen,doch wenigstens gekannt und geprüft zu werden.

Von diesen Vortheilen, so fern wir dergleichen bey unsermAogau bemerkt, wollen wir diejenigen, die in dem Wörtcrbuchcselbst keine füglichc Stelle finden können, unter folgende allge-meine Anmerkungen bringen.

I.

S.ogau laßt vielfältig vie Geschlechtswörter weg. Z. E.

Man hat den Fcind anfs Haupt geschlafn,

Doch Fuß hat Haupt hinweggctragcn °.Er thut dieses 1. bey denjenigen Hauptwörtern, welche Abstractaausdrücken, und gewissermaßen zu Gcschlcchtsnamen werden; all-wo es zu einer besondern Schönheit wird:

Aber Neid hat scheel gesehen.

Und Verhängnis; ließ geschehen,

Daß ein schäumend wilder Eber

Ward Adonis Todtcngräbcr °°.Hier werden der Neid und das Verhängnis), durch die Wcg-lassung des Artikels, zu Personen gemacht, welches weit stärker

° (iv. 5>i.) °° (VI. 36.)